Ab welchem Alter ist Rollenspiel geeignet ?

  • Hallo !


    Wir spielen in den diversen Gruppen schon seit Jahren Rolemaster (und GURPS), mittlerweile hat ein Spielerpärchen Nachwuchs erhalten, der jetzt mit 10 und 11 Jahren unbedingt auch mal Rollenspiel machen möchte.


    Ich denke eigentlich, dass es noch zu früh ist, da man ja doch ganz klar den Einstieg ins Spiel und den Ausstieg in die Realität machen sollte. Nicht das die am nächsten Tag in der Schule erzählen, " . . . wir sind gestern mit nem Fremden Mann mitgelaufen in den Wald und haben dort verstecken gespielt und eine Höhle gefunden und Schätze ausgegraben . . . " und die LEhrer, Mitschüler, ELtern, die ja oft Rollenspiel nicht kennen, denken dann sonstwas ist da passiert.


    Haben vorab mal klare Regeln aufgestellt:


    1. Beide Kids (Mädchen 11a will Tierärztin sein -> Animistin wirds wohl werden, Junge 10a wär so gern Pirat -> also irgendwas heldenhaft kämpferisches später mal) starten mit Level 0 und wir Erwachsenen machen die Char.


    2. Hintergrundoptionen bekommen sie erstmal nicht, da sich diese im Spiel ergeben werden (z.B. Angst vor best. Tieren oder Dunkelheit oder Ähnliches, Besondere Bonis für besonders oft angeandte Fähigkeiten etc )


    3. Es gibt immer 1 Erwachsenen spielerfahrenen Mitspieler, der auch als Erwachsener spielt und auf die Kids quasi aufpasst, bzw die mitnimmt in die nächste Stadt zu Verwandten oder so


    4. Es gibt keine Kämpfe mit Schwerverletzten oder Toten/Unttoten/Orks sonstigen Monstern


    Was Sie spielen sollen ist eben Rollenspiel, sich konzentrieren auf ein Abenteuer und mitdenken und mitfühlen - und Spaß haben.
    Haben jetzt 1 Abend gespielt und eigentlich klappte es ganz gut, wir ritten vom Apotheker los und sollten durch einen Wald in die nächste Stadt um dort Heilkräuter zu kaufen. Dann gabs ein Gewitter und ein brennender Baum versperrte uns den Weg. Also drehten wir schnell um, bogen in eine Lichtung ab und fanden dort ein Steintor mit einem Felsvorsprung. Suchten alles nach Fallen und Geheimtüren ab, fanden dann den kleinen versteckten Hebel, und gingen vorsichtig in den Gang hinein. Am Ende des Ganges war ein Torbogen mit verschiedenen Farben angemalt und verschiedenen Farbtöpfen davor. Jetzt durften sie herausfinden, wie man die Tür dort öffnet (in dem man eben die entsprechenden Komplementärfarben anbrachte) . Dahinter war eine Art Lagerraum, den die Kids einfach mal so plündern wollten. Also dennen erstmal beigebracht, das man nicht einfach alles mitnimmt, den das gehört ja jemandem und ist nicht ganz ungefährlich, wenn wir da so den Gang rauslaufen und derBesitzer sieht uns mit seinen Rüstungen entgegenkommen. Die Einsicht liess nicht lange auf sich warten, die nächsten kleinen Rätsel auch nicht. Irgendwann fanden beide dann noch etwas, was vom Master begreitgelegt war, ein kleines Übungsschwert (meine Begeisterung hielt sich in Grenzen) und ein Buch mit Tierbildern und Kräuterbildern und Beschreibungen.


    Meint Ihr, dass das eine Ebene ist, auf der man Spielen kann ? Ich bin echt unsicher, ob das was wir da Anfangen eine gute Idee ist. cu Angel

  • Moin Angel,


    erstmal finde ich es extrem gut, dass ihr euch die Mühe macht, so etwas zu entwickeln. Vielleicht ist es für euch selbstverständlich, in meinen Augen ist es das ganz und gar nicht. Mein alter SL hätte da nämlich einfach abgewunken.


    Ich finde den Ansatz recht gut.
    Auch derart kontrolliertes und "eingeschränktes" Rollenspiel kann viel Freude bereiten. Zumal man es mit der Zeit ja ausbauen kann und sollte.
    In meinen Augen ist es wie mit Bauklötzen spielen. Am Anfang bekommt das Kind die klassischen Holzklötze und hat damit viel Spass. Danach kommt dann Lego, eine Steigerung, die noch einmal für eine Menge Spass sorgt. Und der krönende Abschluss der Kette ist dann Lego Technik, womit dann bis ins hohe (Renten-) Alter gespielt wird.
    Ähnlich kann es doch auch beim Rollenspiel laufen. Das Abenteuer, von dem du berichtet hast, würde dann den Holzklötzen entsprechen. Lego könnte man dann mit den ersten eigenen Abenteuern (ohne erwachsenen Aufpasser) gleichsetzen. Und mit Lego Technik beginnen dann auch die Kämpfe.


    Das Ganze ist natürlich leichter gesagt als getan, sollte aber auf jeden Fall versucht werden.
    Die Kinder sollten lieber früh mit so etwas Erfahrung machen. Auch wenn sie sich dann vielleicht schnell wieder abwenden. Aber vielleicht kehren sie dann später zurück. In jedem Fall besser, als wenn sie von ihren Eltern gesagt kriegen, dass sie nicht mitspielen dürfen. Das sorgt nicht für Rollenspielbegeisterung.


    Was die Ebene angeht, finde die Regeln 3 und 4 gut. Die Kinder, im speziellen der Junge, werden schon früh genug ihre Erfahrungen mit Actionspielen und -filmen machen. Egal ob die Eltern das wollen oder nicht. Da ist es doch von Vorteil, wenn sie zu Hause gelernt haben, dass man auch ohne Waffen Spass haben kann.


    Gruß
    Alex

  • Ich denke wenn die Kinder gerne Rollenspiel machen wollen ist das schon Ok, abgesehen davon das 10 und 11 Heutzutage ja schon recht alt ist. (Ich habe den Eindruck das Kinder und Jugentliche heute schon um einiges schneller "erwachsener" werden als das noch in meiner Kindheit der Fall war.)


    Aber ich habe mit 12 auch das erste mal den Herr der Ringe selbst gelesen und meine Mutter hat uns das glaube ich ich 1-2 Jahre vorher schon vorgelesen... genauso solche Bücher wie die Bibel ect.


    Letztendlich ist Rollenspiel mit den Eltern / Erwachsenen ein wunderbares training für die Fantasie und für die Kinder ist es denke ich auch eine Tolle sache wenn man sich dann wirklich mal so viel Zeit für sie nimmt.


    Ich glaube aber kaum das man da wirklich ein festes alter ansetzten kann ab dem soetwas für Kinder geeignet ist, als erwachsene neigen wir oft dazu die geistigen Fähigkeiten von Kindern deutlich unterzubewerten.


    Wobei ich denke das es für die meisten Kinder warscheinlich noch viel mehr spaß bringt wenn man wirklich rausgeht und da mit ihnen etwas entsprechendes Spielt.
    Viele typische Kinderspiele wie "Cowboy & Indianer" (wenn das wirklich heute noch jemand spielt "Räuber und Gendarm" usw.usw. sind ja nicht wirklich etwas anderes als Rollenspiele / Larps.


    Pen&Paper ist vieleicht für viele Kinder etwas zu langweilig / kompliziert aber wenn sie es von sich aus wollen ist das denke ich auch durchaus Ok - ich würde den Kindern dann zum einen schon Zugestehen das sie auch durchaus etwas ältere Personen spielen (Jugentliche / Teenager) und der Plot sollte dann schon etwas Kindgerecht sein also die wilden Orgien, Bordelle, Menschenopfer ect. würde ich dann schon eher Weglassen wenn man sowas sonst Üblicherweise weglässt.


    Interesant ist es für die Kinder sicherlich auch wenn man Themen aufgreift die ihnen sowieso bekannt sind und die sie mögen (z.B. eine Herr der Ringe / MERP´s Kampange wenn die Kids die Filme eh kennen und toll finden oder ein Harry Potter Setting).


    Ich denke wenn man es wirklich schaft etwas zu machen bei den weder Kinder noch Erwachsene zu kurz kommen ist das schon Klasse, für die Kinder weil man aktiv auf sie und ihrer interessen eingeht und für Papa weil er endlich mal Gandalf sein darf mit Spruchlisten zum abwinken... :D

  • ich finde es Super wie Ihr das macht. Allerdings würde ich frühzeitig auch "Erwachsene Blickwinkel" mit einbeziehen. Dadurch habt Ihr wenigstens am Anfang einen Einfluß auf die Einstellung der Kids zu diesen Dingen. Ansonsten kann ich nur sägen das ich selbst mit 11 und D&D angefangen habe... Ohne erwachsenen-Anleitung. Und Gewalt gehört auch heute selten zu meinen bevorzugten Problemlösungen...und ich glaube auch nur SA das ich Supermann bin ;)

  • Ich muss eure Vorgehensweise ebenfalls loben, Angel! :P
    Eigentlich bin ich auch der Meinung, dass 10-11 zu früh ist für's Rollenspiel - aber halt, wie sich zeigt, nur für's Rollenspiel der Erwachsenen. Mit 10 habe ich alles an Abenteuerromanen gelesen, was es gab, von den 5 Freunden bis zu Sven Hedin (was echt hartes Zeug ist... :rolleyes: ). Da gab es auch Kämpfe und Tote und das war O.k. so; offensichtlich konnte ich damals schon ausreichend zwischen Romanwelt und realer Welt trennen. Natürlich ist es noch mal was anderes, in eine Rolle zu schlüpfen, aber wenn man als SL und erwachsener Mitspieler die Bremse ziehen kann, scheint es doch ganz gut zu funktionieren.

    Ignorance is not a crime, it's just a shame.


    Warren Sapp, former DT, Tampa Bay Buccaneers

  • Ich finde dieses Thema immens schwierig, und eine allgemeingültige Altersgrenze kann man eh nicht aufstellen.
    Ich habe, ähnlich wie Storm, sehr früh mit Rollenspiel angefangen. Und hätte das Teufel komm raus, nicht unter elterlicher Aufsicht machen wollen. Das Problem an der Fragestellung ist, ab welchem Punkt sprechen wir nur noch über die sehr indivduelle Kindererziehung? Und das ist ein Thema, wo die Ansichten weit gestreut sind und meistens jeder auf seinem Standpunkt be- und verharrt.
    Ich persönlich würde die Kids einfach spielen lassen. Hin und wieder kann man, wenn man sich dazu berufen fühlt, einen "Kontrollbesuch" machen. Schlimmer wie das Samstagnachmittagprogramm bezüglich Sex und Gewalt wird´s auch nicht werden.

  • Ich hab Rollenspiel auch ohne Eltern angefangen. Aber hat das - zumindest in dem Alter - nicht auch etwas mit Identifikation zu tun? Kinder laufen mit ihren Vätern auf den Fussballplatz, auf Flohmärkte, zum Angeln und natürlich wollen sie auch die Spiele spielen, die ihre Eltern spielen. Dem kann man sich auch schlecht verweigern. Deswegen denke ich, das eine Elternbeteiligung in dieser Konstellation absolut O.K. ist, zumindest so lange bis die Kids verkünden, alleine spielen zu wollen.

    Ignorance is not a crime, it's just a shame.


    Warren Sapp, former DT, Tampa Bay Buccaneers

  • Was für ein schöner Thread! Und vor allem das Erstposting finde ich sehr interessant.


    Ein schöner Thread, weil man geneigt ist, sofort seine eignene ersten Erfahrung mit RPGs auf den Tisch zu legen :) Das mache ich jetzt auch erst mal: Bei mir fing Rollenspiel im Zeitraum zwischen 6. und 7. Klasse an. In der 6. zeigte ein Freund mir D&D, und in der 7. kaufte ich dann von dem selben Freund Rolemaster ab. Also war ich 12/13 als ich das erste mal mit Rollenspielen in Berührung kam. Ich denke ich kann behauptewn, dass für all meine Freunde zu dieser Zeit immer klar war, dass es sich dabei nur um Fantasiewelten handelt. Meinen ersten Horrorfilm sah ich übrigens ebenfalls zu ungefähr dieser Zeit. Nachts auf Sat 1 'Poltergeist' auf einem s/w-Fernseher. Ich fand den Film auch schon damals eher lustig, weil er so absurd war. Richtig eklig fand ich 'Tanz der Teufel', den sah ich aber erst mit 14.


    Wieso ich das erwähne? Nun, bevor ich damit (Horror) in Kontakt kam, wusste ich gar nicht was für eklige Sachen man sich ausdenken kann. Deshalb haben solche Szenen bei uns nie eine Rolle gespielt. Auch KULT war uns zu durchgeknallt, allein schon die Beschreibung eines 'typischen KULT-Abends' im Grundregelwerk fanden wir sehr...... befremdlich. Und auch Sex/Prostituierte spielte bei uns solange keine Rolle, bis es uns im echten Leben betraf.


    Ich denke, dass auch schon wenn man in sehr jungen Jahren RPG spielt, man sich im Spiel eher mit Dingen auseinandersetzt, die einen selbst betreffen. Sei es der doofe Martin, der einem in der Pause immer die Capri-Sonne abpresst, und den man dann so richtig vermöbeln möchte. Oder zu experimentieren, was passiert wenn man als Dieb erwischt wird. Hier gleich die Moralkeule rauszuholen, und als Erwachsener die Kinder mit 'wie würdest du das finden, wenn das einer mit dir macht' auf den rechten Pfad der Tugend zu holen ... finde ich mehr als bedenklich. Es geht im Spiel (nicht nur RPG) auch immer um Ausprobieren, Grenzen testen, Reaktionen erkunden. Ich verstehe nur zu gut (obwohl ich nicht Vater bin), dass man seine Kinder zu humanen Wesen erziehen möchte, und bis zu einem gewissen Grad sie auch vor allem Unheil beschützen möchte, aber die Fantasiewelt der Kinder zu korrigieren geht zu weit. Bevor meine Argumentation in den Gewalt-Diskurs versinkt, stoppe ich hier grad mal (ich bin medienwissenschaftlich soweit gebildet, dass ich weiss, dass dies ein SEHR HEISSES Eisen ist ;) Wehe mir kommt hier einer mit STUDIEN! Ich kenne 'Vorsicht Bildschirm!' und reagiere seitdem sehr gereizt auf bestimmte Namen :cursing: )


    Ich habe auch mal als kleiner Bub bei dem Freund meiner (8 Jahre älteren) Schwester mitgespielt (Palladium). Und ich konnte deren Denke nicht ganze nch voll ziehen. Ein 1-on-1 hat mir da wesentlich mehr gebracht, da ich dort erst bestimmte Aspekte des Rollenspiels besser verstanden habe. Also durchaus eine Einführung durch einen Erwachsenen bekommen, aber eher um Rollenspiel'technik' zu erlernen, als moralisch korrekt zu handeln. Auch das weglassen von bestimmten Aspekten wie z.B. Untoten/Orks finde ich doof. Das ist doch ein wesentlicher Aspekt von FRPG! Und um den Querverweis zum EP-Topic zu machen: Wir haben uns damals sehr korrekt an die EP-Vergabe aus dem Regelwerk gehalten. Und Orks töten war schnell langweilig, weil es später kaum noch EP dafür gab. Und härtere Monster töten? Bei unseren mickrigen Stufen? Irgendwann ist uns aufgefallen, dass es BEZWINGUNGSpunkte hiess, und nicht TÖTUNGSpunkte. Da wurde es nur noch wichtig die Gegner zu überlisten oder überzeugen, so dass sie keine Gefahr mehr darstellten, und Kampfgemetzel spielten nicht mehr die Hauptrolle für EPs :) Aber das sind Erfahrungen, die man selber macht, Erwachsene können diesen Prozess vielleicht unterstützen, so dass die Erfahrung 'schneller' gemacht wird. Aber das Hinterfragen von Meinungen und Ansichten wird dadurch gestört.


    Boah ey, voll viel geschrieben, und dabei wollt ich nur kurz meine Meinung sagen.... und ich bin eigentlich noch nicht fertig. Aber fürs erste sollte es reichen ;)


    Achso: Meine Mutter in einer RPG-Runde als Aufpasserin? Ein absolutes nogo.


    P.S.: Auch wenn es nicht immer dabei steht: Dies ist meine sehr eigene und ganz persönliche Meinung! :D

  • Hi,


    Ein wirklich schöner und interessanter Thread


    Obwohl ich erst mit 20 zum Rollenspiel kam, kenne ich viele die schon ab 12 dabei waren. Und da sicher nicht auf Untote verzichtet haben. Mit 10 hatte ich mir aber meinen ersten Computer (Schneider CPC 464) selbst gekauft und fleissig Ballerspiele abgeschrieben. Mit 8 begann ich Judo zu trainieren. Mein Sohn ist 21 Monate, insofern ist das Thema bei uns noch nicht interessant.


    Meine aus diesen Fakten abgeleitete Meinung dazu ist:


    a) Ich finde es schön, wie Ihr Euch bemüht die Kinder einzubinden.


    b) Solange die Kinder Spass haben, ist alles in Ordnung. Wir wollen doch den Rollenspielnachwuchs nicht verprellen :)


    c) Die Rätsel haben mich sehr beeindruckt, da kann man wirklich Spass mit Lernen verbinden.


    d) 10 ist vielleicht etwas jung, aber mir kommt Euer Bemühen um TOTALEN Gewaltverzicht etwas übertrieben vor. Kinder wissen über Tod, Gewalt, usw. sehr gut Bescheid (der Pirat will sicher einmal ein Schiff entern). Und sie riechen "Belehrungen" 10 Meilen gegen den Wind. Insofern würde ich schon Gewalt / Kampf in Eurer Situation einbauen, aber halt schaumgebremst (beim Vorlesen der kritischen Treffer zum Beispiel) und immer auch die Konsequenzen spielen. I.e. wer sich mit Stärkeren anlegt wird wahrscheinlich verletzt, wer gegen das Gesetz verstösst bekommt Ärger mit den Behörden, wer seine Freunde verrät ist im Nofall allein, usw.


    e) Schaut mal auf www.anduin.de, das ist ein gratis Rollenspielmagazin und hat auch Abenteuer zum Runterladen. Eins heisst "PS01-Wirbel in Wasserau", indem die Charactere auf Aventurien Kinder spielen. Lässt sich sehr leicht zu einem Abenteuer für Kinder umgestalten. Da gibt es zum Beispiel den Kampf mit dem otter um den Haarreif der Schwester, das Befreunden des Orkkindes und dessen Befreiung aus den Klauen der Erwachsenen, ...


    MfG Jürgen

  • Allerdings muss man auch konstantieren, DaJunkie, dass sich in der Entwicklung eines Kindes zwischen 10 und 13 eine riesige Menge tut.
    Bei 13-jährigen würde ich durchaus so argumentieren wie Du, bei 1o-jährigen nicht.

    Ignorance is not a crime, it's just a shame.


    Warren Sapp, former DT, Tampa Bay Buccaneers

  • Da haste recht Ruby, das war eigentlich auch noch ein Punkt den ich erwähnen wollte.
    Allerdings: Mit 9/10 hatte ich grad meinen ersten Computer, einen C64. Und Spiele, die mir grad passend zum Thema einfallen wären 'Commando Libya', 'Gauntlet' und 'The Bard's Tale' (Ich glaube, noch heute könnte ich blind durch Skara Brae laufen ;)). Das erste Spiel ist aus gutem Grund noch heute indiziert. Ich habe das aber mal mit reingenommen um zu verdeutlichen, mit was für bösen Gewalttaten man schon früher in Kontakt kommen konnte. Und die anderen beiden sind nun mal klassische Vertreter der Fantasy/RPG-Ecke.


    In Gauntlet und Bard's Tale wimmelte es nur so von Geistern, Untoten, Trollen und anderem Geschmeiss, die einem ans Leder wollten. Ich denke selbst 10jährige kennen solche Sachen schon heute. Und wo es mir grad einfällt: Mein Neffe wurde gerade 5, und was wünschte er sich? Richtig! Die Geister-Piraten von playmobil :) Also so weit weg von Orks und Ghulen ist das auch nicht mehr. 5 Jahre!

  • Bei 13-jährigen würde ich durchaus so argumentieren wie Du, bei 1o-jährigen nicht.

    Und das ist genau der Punkt an dem wir uns in der Diskussion jetzt tot laufen könnten. Ab wann ist das passende Alter erreicht? Deswegen sprach ich vorher schon davon, dass man eine allgemeingültige Altersgrenze nicht aufstellen kann.

  • Ja, schon, aber das es individuelle Ausnahmen gibt, bedeutet doch nicht, dass die allgemeine Regel keine Gültigkeit mehr besitzt. Sonst könnte man sich sämtliche Altersangaben sparen...

    Ignorance is not a crime, it's just a shame.


    Warren Sapp, former DT, Tampa Bay Buccaneers

  • nun manövrierst du aber wieder Richtung "allgemeine Regel". Und genau dabei, denke ich, werden wir auf keinen grünen Nenner kommen.


    Ich war gerade dabei einige Beispiele zu posten, aber lassen wir das lieber. Das wäre nun auch nicht jugendfrei. Und am Ende kommt man ins klagen "früher war doch alles besser" und "und bei uns gab´s das alles noch nicht" ich denke DaJunkie hat es sehr gut zusammengefasst (vielleicht mit der Ausnahme des Teils "[...] aber die Fantasiewelt der Kinder zu korrigieren geht zu weit.[...]" darüber kann man wahrscheinlich noch diskutieren)

  • Erster Punkt: Ihr macht etwas mit den Kids - nicht unmengen der heutigen Kinder kommen in solchen Genuss - Gratulation... brave Eltern seid Ihr!


    Zweiter Punkt: Rollenspiel schult Kompetenzen: Empathiefähigkeit, Phantasie, Kreativität, sprachliches Ausdrucksvermögen, Sozialkompetenz, Problemlösungsfähigkeit etc. pp.


    Dritter Punkt: Kinder müssen nicht par tous vor Gewalt geschützt werden. Ihr seid da sie zu leiten. Setzt man sie an Stelle des Rollenspielnachmittages vor den Fernseher, erproben sie nichts, konsumieren nur, werden medial manipuliert, stumpfen ab und sehen mehr Tote pro Stunde wie ihr Gegner für sie auffahren könnt.


    Vierter Punkt: Tot, Sex und Gewalt sind Thema bei Kindern - das beginnt nicht erst mit der Pubertät. In Ihren Werten, Einstellungen und Verhaltensweisen mögen uns Erwachsene Kinder verschiedensten Alters infantil oder recht erwachsen vorkommen, je nach Entwicklungsstand. Wichtig ist jedoch zu erkennen, dass Kinder durch Auseinandersetzung mit der Welt die Welt - am leichtesten spielend - erlernen. Mit dem Rollenspiel habt ihr Eltern nun mal ein Medium an der Hand, mit dem IHR den Pulsschlag der Geschehnisse bestimmen könnt. Und als Eltern könnt ihr eure Sprösslinge sicherlich am besten einschätzen. IHR könnt bestimmen, was richtig und falsch zu sein hat. IHR baut Vorbilder auf. Nicht die (verdriesliche) SCHULE, nicht die (falschen) FREUNDE, nicht die KONSOLENHERSTELLER, nicht die MARKETINGWIRTSCHAFT.


    Fünfter Punkt: Lesen ist Out... naja, wenn man vom stereotypen Kind/Jugendlichen ausgeht. Rollenspiel verleitet aber zur weiteren Beschäftigung mit den Inhalten - meist in Form von Büchern... Was war nochmal nach Pisa ein großes Defizit der deutschen Schülerschaft? War das nicht Lesekompetenz? Man könnte auch auffordern selbst kreativ etwas zu Papier zu bringen - kann der Sprößling malen? Kann er dichten? Findet ihr Lieder, die zusammen gesungen/musiziert werden können?


    Sechster Punkt: Phantasy bedient sich klassischer Elemente und Stereotypen... Mythen wie die Bibel, Aenaeis, Trojanischer Krieg, Parzeval und all der in den Bücherregalen verstaubende Schnickschnack sind Schlüsseltexte für nachfolgende Generationen geworden. Führt man die Kinder an die Klassiker ran (oder deren Themen), verstehen sie auch die darauf aufbauende Literatur - viel Spass beim deutsch / englisch / spanisch / französisch Leistungskurs... na und im wirklichen Leben.


    Das Potential von Rollenspiel ist größer als die Verführung zum Satanismus oder zu hemmungslosen Gewaltexzessen :evil:


    Gruß


    Orkenzwarg

  • Hallo!


    Ich habe erst mal in Ruhe Eure ganzen Stements durchgelesen und bin doch beruhigter, dass viele von Euch schon früh mit dem RPG angefangen haben. Ich selber kam erst mit 17 dazu und da erstmal in eine selbst-gebaute-Zukunftswelt und erst 2 Jahre später zum Rolemaster - und da direkt in Verwicklungen mit dunkler Magie und Mitspielern, die jeden Bezug zur Realität verloren hatten. Bin sicher daher ein gebranntes Kind.


    Die Kids kamen von ganz alleine darauf, auch einmal spielen zu wollen - mit ihrer Mutter und mir (bin nur die Babysitterin der Zwerge, kenne diese aber schon seit Ihrer Geburt, die Eltern noch länger). Sie sind beide aber auch noch "recht jung für ihr Alter" wenn man sie so mit Klassenkameraden etc vergleicht. Denke aber auch, dass sich das in den nächsten 2 Jahren radikal ändern wird, dass die noch mit uns spielen wollen, so gesehen geniessen wir das jetzt schon, so lange man noch eine gewünschte aktive Rolle in deren Leben spielen darf - bevor die Pubertät los bricht und andere Seiten aufgezogen werden :D


    Die Gewalt ganz rauszunehmen ist sicher ein Ideal, das wir nicht halten können, die Mutter war da relativ schnell bei der Sache. Ich denke, wir werden da einen Mittelweg finden, und gucken, wie die beiden reagieren. Erstmal geht`s ja auch um den Spaß, sich phantasievoll und konzentriert mit etwas zu beschäftigen. Und sei es eben, sich eine Geschichte auszudenken, in der man selber die Hauptrolle spielt. Jetzt sollen sie erstmal lernen, das man den Character, den man spielt auch mit Fähigkeiten ausstatten kann. Und eben, nicht nur sagt: ich such jetzt den Raum nach Fallen ab, sondern dies auch beschreibt: z.B.: ich guck nach versteckten Schlitzen, aus denen Pfeile kommen könnten oder suche auch nach losen Trittplatten etc.


    Freue mich schon, wenn Sie weiter so viel Spaß dran haben wie die letzten 2 Abenteuer (zugegeben recht kurz, aber das ist am Anfang ja auch okay) sie alleine los zu jagen und sich auszuprobieren.


    Vielen Dank nochmal für Eure tollen ermutigenden und kritischen Ansätze ! Das hat mir doch sehr geholfen ! cu Angel

  • Hallo liebe Angel!


    Mir ist da gerade noch mal was eingefallen als ich hier im Krankenhaus saß und darüber nachdachte wie ich wohl unseren kleinen Schnickel zum Rollenspiel hin führen werde, und ab welchem Alter ich das wohl gerne tun würde. Die Antwort auf zumindest die zweite Frage war schnell gefunden: so bald es geht. Und damit meine ich das ein Alter von 7-8 gar nicht verkehrt ist. Je nachdem wie fit er ist. Klar das ab dem Alter noch kein Erwachsenen RPG möglich ist. Aber das muß es ja auch nicht. Was sind das für Geschichten die ein kleiner Mann in dem Alter wohl gerne sieht oder hört? Märchen vielleicht...und ich denke das wäre doch was tolles. Also habe ich mich dazu entschlossen mir das Narnia RPG zu kaufen. Da gibt es doch ganz toll sprechende Dachse, ritterliche Mäuse, mächtige Löwen und die könnte man sogar spielen. Und, wenn wir gerade von RPG im Kindesalter sprechen - was ist denn Cowboy und Indianer? Ich denke nicht das P&P RPG zu komplex für einen 8-jährigen ist. Schließlich macht man ja nichts anderes als Geschichten zu erzählen. Schöne Märchen, bestenfalls. Und Narnia ist in seinem christlichen Gedankengut trotz aller fantastischen Figuren und Magie unserer eigenen Welt noch so hinreichend ähnlich das sich so ein Knirps dort ohne weiteres gut zurecht finden sollte, so er eine halbwegs vernünftige Erziehung genossen hat.


    Also, wenn ich in 8 Jahren diesem Forum noch treu bin, werde ich euch auf dem Laufenden halten! ;)

  • Wie war das als mein Sohn anfing? Er ist jetzt beinahe 13 Jahre alt. Vor knapp zwei Jahren haben wir mit dem D&D- Brettspiel angefangen. Ein schöner Einstieg ins Rollenspiel. Dann haben wir in 1zu1 Situation Abenteuer Aventurien gespielt. Solange bis auch er gemeistert hat. Midgard- das Abenteuer beginnt war dann die nächste Stufe. Heute spielt er ab und an in meiner monatlichen MERS- Runde mit. Und leitet auch selbst MERS, bisher allerdings nur mit einem Freund zusammen.


    Gewalt und Tod war eigentlich nie ein besonderes Thema. Von Playstation und Nintendo waren ihm Kampf und Action bekannt. Und wie die meisten Anfänger- ich war da auch nicht anders- spielt er natürlich am liebsten starke Kämpfertypen. Aber das wächst sich irgendwann aus, da bin ich mir ziemlich sicher. Und ein Realitätsverlust ist bisher auch nicht zu bemerken. Er hat eine Menge Spaß, wenn er spielt und kommt auch gut mit den anderen Spielern und Charakteren aus. Nur ist die Elektronik viel zu oft stärker als Pen&Paper.

    Die Magie ist stark an diesem Ort; viele Elben haben über lange Zeit daran gewirkt." Frank Rehfeld: Zwergenbann