Sinneswahrnehmung vs. Aufmerksamkeit

  • Hallo zusammen!


    Es gibt ja bereits einen Thread zur Situationswahrnehmung in Abgrenzung zu Aufmerksamkeit. Meine Frage bezieht sich nun auf die unterschiedlichen Anwendungen von Sinneswahrnehmung und Aufmerksamkeit.


    Bei Aufmerksamkeit steht ja explizit da, dass diese Fertigkeit in Situationen zum Einsatz kommt, in der die Charaktere ihre Wahrnehmung nicht aktiv einsetzen. Allerdings steht auch bei Sinneswahrnehmung:


    "Sinneswahrnehmung wird automatisch benutzt, um Besonderheiten in der Umgebung wahrzunehmen"


    Überschneiden sich also Sinneswahrnehmung und Aufmerksamkeit? In welchen Situationen wendet ihr welche Fertigkeit an?



    Wäre dankbar wenn ihr etwas Licht ins Dunkel bringen könntet :D

  • Wir benutzen das garnicht, weil wir es blöd finden...


    Auch die anderen gefühlten dreissigtausend anderen Wahrnehmungsfertigkeiten nicht....


    In unserer Gruppe hat sich nie erschlossen, was oder besser wofür man diese Fertigkeiten benötigt....
    (die Sinnhaftigkeit hat sich uns nie so erschlossen!)

  • Ich nutze Aufmerksamkeit für unbewußte Wahrnehmung, wenn der Spieler also nichts ansagt, ich aber meine, er hat eine Chance. Für aktive Wahrnehmung nutze ich ausschließlich Beobachtung. Die einzige Ausnahme ist Situationswahrnehmung: Kampf, das ich im Kampf einsetzen lasse, um sich einen Überblick zu verschaffen oder um neue Gegner rechtzeitig zu bemerken.


    Gruß
    Amnarantur

  • Belgarion, ich würde es genauso einsetzen, wie Du es eigentlich schon geschrieben hast:


    Beide Fertigkeiten kommen prinzipiell zum selben Zeitpunkt zur Anwendung, allerdings sehe ich den Unterschied bei den Auswirkungen. Ich hab das gerade mal schnell nachgeschaut.


    Aufmerksamkeit ist für mich für allgemeinere Wahrnehmung zuständig, gewisse Vorgänge, Umgebungsgeräusche, usw. Dinge, die eigentlich jeder sowieso wahrnimmt, aber trotzdem übersieht. Stell Dir das klassische Kind am Strassenrand vor, von dem Du als Autofahrer nicht weißt ob es über die Strasse losrennt oder stehen bleibt. Würfle Aufmerksamkeit, bei Erfolg kannst Du noch rechtzeitig handeln, bei Mißerfolg fährst Du es übern Haufen. Ein fieses Beispiel, aber ich denke genau das ist gemeint, und somit eine wichtige Fertigkeit.


    Ich würde Sinneswahrnehmung dann verwenden, wenn es darum geht kleine Details in der Umgebung oder Situation zu bemerken. Diese Fertigkeit beschreibt sozusagen die Sinnesschärfe. Als Beispiel fällt mir ein falscher Ork ein, ich hoffe es funktioniert:
    Mit Aufmerksamkeit bemerkst Du schnell, wenn ein Ork Dich aus dem Gebüsch heraus überfällt uind auf Dich einprügelt. Aber mit Sinneswahrnehmung kannst Du feststellen, dass dieser Ork eigentlich eine Maske trägt, für so ein Vieh eh viel zu klein ist, und in Wahrheit es sich eigentlich um einen Elf handelt.


    Puh, bin mal gespannt, ob's so stimmt, oder ob Einwände kommen. *g*

  • Ich habe die Sinneswahrnehmung eher so interpretiert, dass man einen seiner Sinne (Hören, sehen...) trainiert. Wenn dann eine Situation eintritt, bei der ein trainierter Sinn besonders wichtig ist, kann man den Wert dieser Sinneswahrnehmung statt der allgemeineren Aufmerksamkeit nehmen. Auch hier ergibt sich der Vorteil im besseren Wert.
    Ich würde allerdings nicht alle Sinneswahrnehmungen gleich behandeln. Ein Mensch kann z.B. zwar seinen Geruchssinn trainieren und kann dann bestimmte Chemikalien erkennen oder guten von schlechtem Wein unterscheiden, aber er kann deswegen immer noch keine Spuren durch deren Geruch analysieren.

    Ignorance is not a crime, it's just a shame.


    Warren Sapp, former DT, Tampa Bay Buccaneers

  • Das würde doch dann aber bedeuten, dass man Sinneswahrnehmung auf die einzelnen Sinne spezialisieren müßte:
    Sinneswahrnehmung (Sehen)
    Sinneswahrnehmung (Hören) usw.


    Sonst würde man doch gleichzeitig alle Sinne trainieren und wäre somit dazu fähig alles zu können.


    Kann man so machen, gar kein Problem.


    Wenn ich aber davon ausgehe, dass die allgemeine Sinneswahrnehmung gemeint ist, da das Regelwerk keine Spezialisierungen vorsieht, dann erscheint mir das nicht ganz logisch unter der Voraussetzung, dass ich möglichst nahe am Regelwerk mich bewegen möchte.

  • Ich habe die Sinneswahrnehmung eher so interpretiert, dass man einen seiner Sinne (Hören, sehen...) trainiert. Wenn dann eine Situation eintritt, bei der ein trainierter Sinn besonders wichtig ist, kann man den Wert dieser Sinneswahrnehmung statt der allgemeineren Aufmerksamkeit nehmen. Auch hier ergibt sich der Vorteil im besseren Wert.


    So habe ich Sinneswahrnehmung ebenfalls verstanden. Allerdings haben wir in meiner Gruppe aufgrund der Flut von Wahrnehmungsfertigkeiten, die mit RMSS/RMFRP plötzlich da waren, auf Sinneswahrnehmung - von Situationswahrnehmung Kampf, welches in dieselbe Kategorie fällt, mal abgesehen - verzichtet.

  • Das man die Sinne einzeln lernen muss, steht so im GRW... ;)


    Das hab ich doch glatt überlesen. Das schlag ich heute Abend gleich nach, wenn ich nach Hause komme und ein Buch zur Verfügung habe.


    Dann schau ich auch gleich nochmal auf den genauen Wortlaut. Jedenfalls haben wir für dieses Problem schon drei Möglichkeiten, wie wir damit umgehen können.

  • Diese Flut von verschiedenen Wahrnehmungsarten ist auch ein wenig seltsam. Da sollte man schon überlegen, was man wirklich braucht. Ich finde einerseits das Lernen der verschiedenen Sinneswahrnehmungen ganz reizvoll, aber andererseits ist es ziemlich aufgeblasen.
    Wenn ich eine Gruppe leiten würde, würde ich wohl die Sinneswahrnehmungen auf Sehen und Hören beschränken und zusätzlich die verschiedenen Situationswahrnehmungen ebenfalls zusammenstreichen.

    Ignorance is not a crime, it's just a shame.


    Warren Sapp, former DT, Tampa Bay Buccaneers

  • Mich veriwrrt gerade der Beschreibungstext der Fertigkeit Sinneswahrnehmung ich zitiere:


    Charakterhandbuch S. 305 wrote:

    Diese Fertigkeit gibt einen Bonus auf die Wahrnehmung von Details und Informationen durch die Benuzung eines bestimmten Sinns (also Sicht, Gehör, Tastsinn, Geschmack, Geruch). Beachten Sie, daß man diese Fertigkeit für jeden Sinn einzln erlernen muß.


    Bringt diese Fertigkeit Boni auf die Fertigkeiten Aufmerksamkeit und/oder Suchen?
    Also wenn ich den Beispielen im Buch folge, dann sind das +-10 je nach Entfernungskategorie, bzw. durchnittlicher Wahrnehmungsdistanz um bestimmte Details einer bestimmten Größe zu erkennen. Und das auch unbewußt, wenn der Spielleiter für den Spieler würfelt.


    Zumindest liest sich das für mich so.
    Was meint ihr?


    Oder liegt es einfach daran, dass die Progression von Sinneswahrnehmung als Standard einfach schneller ausbaubar ist im Gegensatz zu Aufmerksamkeit, welche eine limitierte Progression besitzt?


    Siehe auch Parallelthread Situationswahrnehmung vs Aufmerksamkeit:


    Féamorn wrote:

    Ich habe nochmal ein wenig darüber "meditiert". Im Grunde ist die Regel insofern in Ordnung, als das Leute, die zusätzlich zu Aufmerksamkeit auch die Situationswahrnehmung (Kampf) lernen bevorzugt sind, da sich deren Bonus ja in der Tat deutlich schneller nach oben bewegen sollte. Das heißt die Chance, es zu merken hat jeder, aber erfahrene Kämpfer stehen dann doch besser da. Habe da irgendwie vorhin die Perspektive nicht so gehabt.
    Ich denke also der Knackpunkt ist wirklich die Standardprogression der Situationswahrnehmung im Vergleich zur limitierten Progression der Aufmerksamkeit. Ich schätze also, dass wir das tatsächlich so behandeln werden, wie es die Regeln sagen.


    Rubycon wrote:

    Diese Flut von verschiedenen Wahrnehmungsarten ist auch ein wenig seltsam. Da sollte man schon überlegen, was man wirklich braucht. Ich finde einerseits das Lernen der verschiedenen Sinneswahrnehmungen ganz reizvoll, aber andererseits ist es ziemlich aufgeblasen.


    Ich glaube da bin ich gerade dabei, festzustellen ob ich es für meine Runden überhaupt brauche und ob ich darin sinnvollen Sinn erkennen kann.
    Momentan läßt es jedenfalls zu, sich einen Spähercharakter zu basteln, der seine Sicht und sein Gehör auf's extremste trainiert hat. Eigentlich eine reizvolle Idee.

  • Erstmal vielen Dank für die Kommentare und Anmerkungen!


    Das Problem scheint ja glücklicherweise nicht nur mich zu zwicken. Einerseits finde ich es auch etwas übertrieben, wenn es mehrere Fertigkeiten für sehr ähnliche Dinge gibt. Auf der anderen Seite sollten die Spielen aber auch die Möglichkeit haben, ihre Charaktere von anderen abzusetzen. Gibt es nur wenige (beispielsweise zwei) Wahrnehmungsfertigkeiten, werden diese halt von jedem gelernt. Gibt es mehrere Fertigkeiten, werden manche Spieler vielleicht nur ein paar Entwicklungspunkte in die Fertigkeitsgruppen investieren. So könnte jemand, der einen Kundschafter spielt, sich mit dem Erlernen weiterer Fertigkeiten davon abheben.



    Mein jetziger Stand der Überzeugung ist der folgende:


    Aufmerksamkeit: Wird immer dann verwendet, wenn es etwas zu entdecken gibt und der Spieler seine Wahrnehmung NICHT explizit einsetzt.


    Beobachtung: Bezieht sich auf das Beobachten einer Situation und das Kombinieren von Hinweisen. Da es sich in der Kategorie "Suchen" befindet, könnte diese Fertigkeit beispielsweise zum Einsatz kommen, wenn der Charakter einen Tatort nach Hinweisen absucht. Das beinhaltetet genaues Hinsehen, Untersuchen und Kombinieren von Details. Wie im GRW angegeben wären das Durchschauen einer Verkleidung oder das Entdecken einer versteckten Person ebenfalls mit dieser Fertigkeit abgedeckt.


    Wahrnehmung Sinne: Diese Fertigkeiten könnten verwendet werden, wenn es darum geht, etwas mit seinen Sinnen zu entdecken. Das wäre beispielsweise der Versuch, ein Gespräch zu belauschen oder eine Person auf große Entfernung zu erkennen. Wenn es darum geht, ein feindliches Lager von einem Hügel auszuspähen, könnte ein erfolgreiches Manöver in "Sinneswahrnehmung - Sehen" einen Bonus auf ein anschließendes Manöver in "Beobachtung" geben. Wahrscheinlich wären lediglich "Sinneswahrnehmung - Sehen" und "Sinneswahrnehmung - Hören" sinnvoll. "Sinneswahrnehmung - Sehen" würde also dem kurzen aber intensiven Blick entsprechen. Im Gegensatz dazu wäre "Beobachten" eine Aktion, in der mehrere Aspekte betrachtet und abgewogen werden.


    Situationswahrnehmung: Folgende Gruppeneinteilung macht für mich Sinn: Stadt, Wildnis, Kampf (evtl. noch Dungeon). Es geht bei dieser Fertigkeit darum, die Situation zu kennen und demzufolge Änderungen richtig einschätzen zu können. Mit "Situationswahrnehmung - Stadt" könnte man beispielsweise einen lauernden Dieb entdecken während man bei "Situationswahrnehmung - Wildnis" auf Spuren eines geplanten Überfalls aufmerksam werden könnte. Beides funktioniert natürlich nur, wenn der Charakter die Fertigkeit explizit anwendet. Andernfalls würde "Aufmerksamkeit" oder "Hinterhalt entdecken" zum Einsatz kommen.



    Was meint ihr dazu?

  • Ich habe jetzt gerade die Bücher nicht zu Verfügung, so dass ich nicht nocheinmal gegenlesen kann, aber ich würde die gerade die Situationswahrnehmungen glaube ich immer anwenden, wenn sie passen, genau wie es explizit für die Situationswahrnehmung: Kampf im entsprechenden Regelabschnitt beschrieben ist. Nach meinem aktuellen Verständnis sind die Situationswahrnehmungen quasi "Spezialisierungen" der allgemeinen Aufmerksamkeit, man hat seine gesamte Wahrnehmung auf einige Aspekte getrimmt die dann einfach IMMER ins Auge fallen. Insofern finde ich auch die in den Regeln vorgeschlagene Situationswahrnehmung: Schlaf sinnvoll und denke, dass die auch ein gutes Beispiel ist. Ich würde vielleicht jedem Char, sofern er nicht unter Drogen o.Ä. (Meditation) steht, einen Aufmerksamkeits-Wurf zugestehen, nur ist der Bonus da ja eher mager. Hat jedoch jemand Situationswahrnehmung: Schlaf, hat er sich gewissermaßen einen "leichten Schlaf" antrainiert, nur passiert das halt immer, egal ob er will oder nicht...

  • Ohja, mich zwickt dieses Thema gewaltig!


    Das hat eigentlich zwei Gründe:

    • Rolemaster ist das erste Rollenspielsystem, das ich kenne, das viel differenzierter mit den Themen Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und den 5 Sinnen, die ein Mensch/Wesen zur Verfügung hat, umgeht. Irgendetwas muß da doch dahinterstecken. Andererseits wirkt es viel zu aufgeblasen.
    • Alles über eine Wahrnehmungsfertigkeit zu regeln war mir bisher etwas zu schwach. Die Unterscheidung aktiver und passiver Wahrnehmung in unterschiedlichen Fertigkeiten erschien mir früher schon sinnvoll, doch andere Systeme boten bisher nicht den passenden Rahmen dazu.


    Deshalb habe ich mich hier eingeklinkt, weil ich dieses System der Wahrnehmung gern nutzen würde, mir aber erst jetzt so langsam einen Reim darauf machen kann. Dabei habe ich bemerkt, dass man das GRW und das Charakterhandbuch sehr genau lesen sollte, damit man dahintersteigt.


    Deine Überzeugung, Belgarion, die Du erlangt hast finde ich momentan nur zum Teil schlüssig, aber für eine Spielrunde ganz praktikabel, genauso, wie die Fertigkeiten einfach wegzulassen und sich auf weniger Wahrnehmungsfertigkeiten zu beschränken ebenfalls ein funktionierendes Konzept ist.


    Was mich aber bei der letzten Variante stört ist, dass für Situationswahrnehmung (Kampf) immer wieder eine Ausnahme gemacht werden muß, damit Krieger im Kampf besser agieren können und nicht im Nachteil stehen zu den anderen Charaktertypen. Das passt mir absolut nicht in den Kram. Warum soll ein Krieger mehr AP ausgeben müssen, um im Kampf an vorderster Front stehen zu können, die er doch im Grunde für seine Kampffertigkeiten braucht? Ich denke das hat einen tieferen Sinn, der sich aber aus dem Gewurschtel an Wahrnehmungsfertigkeiten und Fertigkeitsgruppen nicht sofort erschließen lässt.


    Ich denke man darf dabei die Einteilung in die Fertigkeitsgruppen, sowie die Progression der Fertigkeiten, und auch den Aufwand, den ein Charakter betreiben muß, nicht ausser Acht lassen, wenn man das komplette Wahrnehmungskonzept von Rolemaster begreifen will. Ich würde es meinem bisherigen Kenntnisstand nach deshalb so anwenden:


    1. Wahrnehmung - Unbewußt - limitierte Progression

    • Aufmerksamkeit

    • Hinterhalt entdecken


    Diese Fertigkeiten würfelt der Spielleiter, da sie zum Einsatz kommen, wenn der Spieler nicht explizit erwähnt, dass er etwas entdecken/sehen will. Hinterhalt entdecken stellt dabei einen speziellen Sonderfall der Situation dar. Gleichzeitig ist das die allgemeine, unbewußte Wahrnehmung, die diese Fertigkeiten darstellen, ungeachtet der Sinne. Dadurch, dass diese Fertigkeitsgruppe eine limitierte Progression besitzt, werden die Fertigkeitsboni nie so schnell entwickelt werden können, wie bei den anderen beiden Fertigkeitsgruppen.


    2. Wahrnehmung - Suchen - Standardprogression

    • Beobachtung

    • Beschatten

    • Fallen entdecken

    • Gift entdecken

    • Lügen entlarven

    • Spuren untersuchen

    • Spuren verolgen

    • Vestecktes entdecken


    Hier handelt es sich eindeutig um den aktiven Einsatz der eigenen Fähigkeiten. Die vielen Sonderfälle scheinen das auch zusätzlich zum Ausdruck zu bringen. Mit Beobachtung dürfte aber das Meiste tatsächlich geregelt sein. Demnach wird also oft der Spieler selbst diese Würfe durchführen.


    3. Wahrnehmung - Sinne - Standardprogression

    • Richtungssinn

    • Sinneswahrnehmung (Sicht, Gehör, Tastsinn, Geschmack, Geruch)

    • Situationswahrnehmung (vom SL festgelegte Situationen)

    • Zeitsinn


    Hier kommen wir zum Knackpunkt der Wahrnehmungskategorie. Mir entzieht es sich momentan, ob diese Fertigkeiten (v.a. Sinneswahrnehmng und Situationswahrnehmung) ausschließlich unbewußt eingesetzte Fertigkeiten sind, oder ob sie auch aktiv vom Spieler eingesetzt werden können. Es scheint wohl beides der Fall zu sein, was ich aber gerade bei Sinneswahrnehmung und Situationswahrnehmung kritisch finde, wo es doch schon die Fertigkeit Beobachten gibt.
    Durch die Standardprogression können diese Fertigkeiten allerdings viel schneller entwickelt werden als die unbewußten Wahrnehmungsfertigkeiten. Das bringt einen gewissen Voteil, wenn man sich einen Sinn herauspickt und ihn schärft, oder mit Situationswahrnehmung (Kampf) einen Vorteil verschafft, einen Kampfschauplatz schneller zu überblicken. Schneller deshalb, weil diese Fertigkeiten unbewußt eingesetzt werden können, und somit im Kampf keine wertvolle Aktivität verloren geht. Das macht für kämpferische Charaktere dann einen entscheidenden Sinn und es lohnt sich, das System so in die eigene Kampagne zu übernehmen.


    Féamorn wrote:

    Nach meinem aktuellen Verständnis sind die Situationswahrnehmungen quasi "Spezialisierungen" der allgemeinen Aufmerksamkeit, man hat seine gesamte Wahrnehmung auf einige Aspekte getrimmt die dann einfach IMMER ins Auge fallen. Insofern finde ich auch die in den Regeln vorgeschlagene Situationswahrnehmung: Schlaf sinnvoll und denke, dass die auch ein gutes Beispiel ist. Ich würde vielleicht jedem Char, sofern er nicht unter Drogen o.Ä. (Meditation) steht, einen Aufmerksamkeits-Wurf zugestehen, nur ist der Bonus da ja eher mager. Hat jedoch jemand Situationswahrnehmung: Schlaf, hat er sich gewissermaßen einen "leichten Schlaf" antrainiert, nur passiert das halt immer, egal ob er will oder nicht...


    Das sind ebenfalls weitere Aspekte, die den Fertigkeiten Situationswahrnehmung einen Sinn geben.


    So weit so gut...


    Sinneswahrnehmung:
    Was aber geschieht mit Sinneswahrnehmung, einer Fertigkeit, die zum einen Boni auf Wahrnehmung bringen soll, und zum anderen ebenfalls dafür zuständig sein soll, Details aus der Umgebung besser wahrzunehmen?


    Im GRW steht nur die Beschreibung, im Charakterhandbuch stehen da noch Beispiele, wie diese Fertigkeit Boni und Mali von +-10 auf die Wahrnehmung liefert, je nach Größe des Gegenstandes/Details und der Entfernung von diesem. Das bedeutet doch, wenn ein Waldläufer (er besitzt die Fertigkeiten Beobachten und Sinneswahrnehmung (Sicht)) in den Bäumen nach einem Eichhörnchen Ausschau hält, dass er Beobachten einsetzt und dafür dann noch +10 bekommt, wenn die Größe und die Entfernung stimmen. Wenn man zu weit vom Eichhörnchen entfernt ist, um es überhaupt noch sehen zu können, bekommt man -10 auf Beobachten. Das Gleiche würde dann auch für Aufmerksamkeit gelten. Ist das richtig so? (Man findet es im Charakterhandbuch Seite 305f, 13.179 Sinneswahrnehmung)


    Richtig ist auf jeden Fall, dass diese Fertigkeiten schneller entwickelt werden können als die allgemeinen Wahrnehmungsfertigkeiten. Man könnte sich also dadurch einen Voteil verschaffen und sich auf einzelne Sinne spezialisieren.


    Liegt darin schon der ganze Vorteil, den man daraus ziehen kann?
    Oder ersetzt Sinneswahrnemung gegebenenfalls die allgemeinen Wahrnehmungsfertigkeiten, wenn ein bestimmter Sinn gefragt wird?


    Ich würde es so wohl umsetzen, bin mir aber noch nicht sicher, obwohl ich mich jetzt schon richtig eingehend mit der Materie beschäftigt habe...

  • @ Féamorn
    Ich stimme Dir zu. Situationswahrnehmung - Schlaf halte ich für eine sinnvolle Fertigkeit, die ich noch aufnehmen werde.


    @ Nathanael
    Deine Gedanken sind interessant. Wenn ich Dich richtig verstehe, verstehst Du die Sinnes- und Situationswahrnehmungen quasi als Spezialisierungen von "Aufmerksamkeit" auf einen bestimmten Sinn oder eine bestimmte Situation. Sie können also unbewusst eingesetzt werden und ersetzen "Aufmerksamkeit" in den entsprechenden Fällen. Sollte ein Charakter dort Punkte investieren, kann er gegebenenfalls mehr erkennen als jemand, der lediglich das allgemeinere "Aufmerksamkeit" steigert.



    Ich sehe in der Interpretation aber folgende Schwierigkeit:


    Die Fertigkeitsgruppe "Wahrnehmung - Sinne" besitzt eine Standardprogression (-15*2*1*0.5*0), die Fertigkeit "Aufmerksamkeit" hingegen nur die limitierte Progression (0*1*1*0.5*0). Das bedeutet, dass jemand, der die Gruppe "Wahrnehmung - Sinne" entwickelt, immer besser ist als jemand der Ränge in "Aufmerksamkeit" investiert. Und mit "Wahrnehmung - Sinne" sind ja alle Spezialisierungen abgedeckt. "Aufmerksamkeit" würde praktisch seine Berechtigung verlieren, weil man allein mit der Gruppe "Wahrnehmung - Sinne" besser sein kann. Hinzu kommt, dass "Wahrnehmung - Sinne" für die meisten Beruf günstiger ist als "Aufmerksamkeit".

  • Belgarion wrote:

    Wenn ich Dich richtig verstehe, verstehst Du die Sinnes- und Situationswahrnehmungen quasi als Spezialisierungen von "Aufmerksamkeit" auf einen bestimmten Sinn oder eine bestimmte Situation. Sie können also unbewusst eingesetzt werden und ersetzen "Aufmerksamkeit" in den entsprechenden Fällen. Sollte ein Charakter dort Punkte investieren, kann er gegebenenfalls mehr erkennen als jemand, der lediglich das allgemeinere "Aufmerksamkeit" steigert.


    Exakt, anders kann man diese Fertigkeiten eigentlich garnicht verstehen. Und eigentlich soll es auch so sein. Aber nicht ersetzend, sondern nur ergänzend.


    Belgarion wrote:

    Die Fertigkeitsgruppe "Wahrnehmung - Sinne" besitzt eine Standardprogression (-15*2*1*0.5*0), die Fertigkeit "Aufmerksamkeit" hingegen nur die limitierte Progression (0*1*1*0.5*0). Das bedeutet, dass jemand, der die Gruppe "Wahrnehmung - Sinne" entwickelt, immer besser ist als jemand der Ränge in "Aufmerksamkeit" investiert.


    Ja! Genau da liegt mein Problem, weshalb ich mir da so unsicher bin. Wenn diese Fertigkeiten die allgemeine Aufmerksamkeit ersetzen können, werden sich alle Spieler nur noch auf Sinneswahrnehmung (Sicht) und Sinneswahrnehmung (Gehör) stürzen. Zumal die Fertigkeitsgruppe Wahrnehmung - Sinne ausdrücklich zu den unbewußten Fertigkeiten gehört!


    Rubycon wrote:

    Wobei ja "Aufmerksamkeit" automatisch - also ohne Ansage des Spielers - funktioniert, während die spezialisierten Sinne einer expliziten Ansage bedürfen.


    Genau das ist eben auch möglich, was mich so irritiert. Aber es ist halt auch nicht nur so.


    Ich glaube wir machen alle momentan den Fehler, dass wir in die Beschreibung etwas hineininterpretieren, was aber garnicht gemeint ist.
    Wenn ich die Beschreibung betrachte gibt Sinneswahrnehmung lediglich einen Bonus in bestimmten Situationen auf Aufmerksamkeit und Beobachtung. Immer dann, wenn es um Details geht, die einen bestimmten Sinn ansprechen und wenn die Entfernung stimmt. Ansonsten bleibt diese Fertigkeit passiv, tritt aber dann unbewußt in Kraft, wenn es zutrifft. Dabei ensteht aber laut Charakterhandbuch ein Bonus, der nicht vom Fertigkeitsbonus der Sinneswahrnehmung abhängig ist.


    Aber was macht es dann für einen Sinn, diese Fertigkeit nach Standardprogression zu steigern, wenn für den Bonus bereits ein Rang ausreichend ist? Da muß es doch noch mehr geben. Der aktive, bewußte Einsatz als Ersatz für die anderen Fertigkeiten fällt ja aufgrund zu starker Vorteile ja flach.


    Wenn der Bonus in Abhängigkeit zum Fertigkeitsbonus sich nach und nach verbessern würde, wäre ich glücklich und die Sachlage wäre klar und deutlich zu verstehen. Ich glaube das ist ein Fall für die Errata. *g*


    Mehr zu diesem Gedanken heute Abend, wenn ich die Bücher wieder vor mir liegen habe.


  • Aber was macht es dann für einen Sinn, diese Fertigkeit nach Standardprogression zu steigern, wenn für den Bonus bereits ein Rang ausreichend ist? Da muß es doch noch mehr geben. Der aktive, bewußte Einsatz als Ersatz für die anderen Fertigkeiten fällt ja aufgrund zu starker Vorteile ja flach.


    Wenn der Bonus in Abhängigkeit zum Fertigkeitsbonus sich nach und nach verbessern würde, wäre ich glücklich und die Sachlage wäre klar und deutlich zu verstehen. Ich glaube das ist ein Fall für die Errata. *g*


    Mehr zu diesem Gedanken heute Abend, wenn ich die Bücher wieder vor mir liegen habe.


    Ich hab zur Zeit leider meiner Bücher nicht in Reichweite, daher wollte ich mich zu den Sinneswahrnehmungen eigentlich gar nicht äussern, aber das hier riecht stark danach, dass du den Bonus nur bekommst, wenn vorher ein Wurf auf das Sinnesmanöver geklappt hat. ;)

  • Feamorn wrote:

    ... aber das hier riecht stark danach, dass du den Bonus nur bekommst, wenn vorher ein Wurf auf das Sinnesmanöver geklappt hat.


    Stimmt, das riecht ziemlich stark danach. Davon steht allerdings nichts im GRW oder im Charakterhandbuch. Zumindest habe ich nichts anderes gefunden. Ich kenne Rolemaster eigentlich als ein System, das einzelne Würfe den Serienwürfeleien bevorzugt. Ich fände es ziemlich umständlich, gerade dann wenn man bei Rolemaster alles ziemlich schlüssig durchrechnen kann.

  • Stimmt, das riecht ziemlich stark danach. Davon steht allerdings nichts im GRW oder im Charakterhandbuch. Zumindest habe ich nichts anderes gefunden. Ich kenne Rolemaster eigentlich als ein System, das einzelne Würfe den Serienwürfeleien bevorzugt. Ich fände es ziemlich umständlich, gerade dann wenn man bei Rolemaster alles ziemlich schlüssig durchrechnen kann.


    Also im alten deutschen RM (also RM2) war es auch so, dass man sich mit Schloßkunde einen Bonus auf den Schlösser öffnen Wurfe holen konnte, aber dafür musste halt vorher die Probe auf Schloßkunde geschafft werden.
    Anders als mit Extrawürfen läßt sich das meines Erachtens nach auch kaum regeln, es sei denn man nimmt dann dafür auch limitierte Progression, aber das wird dann unverhältnismäßig teuer finde ich, und der Bonus wird doch wieder relativ hoch, zumindest zu Beginn.