Traveller Genreeinordnung

  • Moins,


    wo würdet ihr Traveller genremäßig für euch einordnen, wie spielt ihr es aus bzw. wie ordnet sich Traveller selbst ein? Science Fiction kann ja ziemlich vieles umfassen. Mir fallen da spontan folgende Einordnungsbegriffe ein: Utopie, Dystopie, Space Opera, Hard Sci Fi, Endzeit, Cyberpunk, Military Sci Fi, Horror Sci Fi, "Western Sci Fi" (Serenity oder sowas)? Vor allem würde mich auch mal interessieren, was kann man aus eurer Sicht mit dem GRW alles an Genres simulieren?


    Gruß Pit

  • Simulieren kann man (in gewissen Grenzen) sicherlich jedes Genre.
    Als Hard-SciFi würde ich Traveller aber nicht einordnen, da kommt mir eher so etwas in den Sinn wie Traveller 2300/2300 AD.
    Die anderen Genres können im kleinen Rahmen natürlich vorkommen, den eigentlichen Hintergrund würde ich aber als Space Opera bezeichnen.

  • Die Genres sind ja auch nicht immer unbedingt klar abgegrenzt, sondern der Übergang ist eher fließend.
    Ein Setting wie bei Alien, wäre m.M. eine Mischung aus Horror- und Hard-SciFi, während Aliens zusätzlich Elemente des Military-SciFi enthält.

  • Ich werd den Teufel tun, mich da festzulegen. :rolleyes:

    Dem kann ich mich nur anschließen. Denn dazu ist es zu Vielfältig anwendbar.


    Wo ist die Unterschriftenlist? :D

    Ich bin ein Blindtext. Von Geburt an. Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, was es bedeutet, ein blinder Text zu sein:
    Man macht keinen Sinn. Man wirkt hier und da aus dem Zusammenhang gerissen. Oft wird man gar nicht erst gelesen. Aber bin ich deshalb ein schlechter Text? Ich bin blind! Aber ich bin gerne Text.

  • Als Basis würde ich Space Opera sehen, die nach Belieben mit Elementen anderer Genres angereichert werden kann; sehr viel modernere Elemente wie Cyberspace würde ich rauslassen, da sie das herrlich altbackene 'Age of Sail'-feeling für meinen Geschmack sprengen würden. Ansonsten scheint mir die Anzahl der Möglichkeiten aber fast so groß zu sein wie die Anzahl der unterschiedlichen Welten, die man bereisen kann. :)

  • Wenn Traveller = "Official Traveller Universe" also das "3.Imperium-Setting" ist, fallen gewisse Elemente raus


    + Kein "Horror" im Sinne von Sauger, Flohzirkus, Knochensammlung und andere komische Wesen
    + Keine Utopie den die Welt ist ja nicht mal annähernd perfekt sondern dicht an "heute"
    + Distopie nur im MegaTraveller/HardTimes Setting (Untergang des 3I) ansonsten ist die Zukunft ja nicht "we all die"
    + Kein "Cyberpunk" dazu fehlen zu viele der sozialen Elemente
    + Für "Space Opera" ist die Technik zu bodenständig-realitätsnah
    + Military SciFi im Sinne von "CoDominion", "Posleen War" oder "Slammers" ist es nicht weil "Konfliktlösung durch Armee" prä-MegaTraveller die Ausnahme ist
    + "Western" nur in einigen Grenzgebieten und da z.T. nur wenn der SL nicht so viel Wert auf Realität legt (Spinwärts-Marken etwa sollte NICHT so sein)


    Auf einzelnen Welten mögen sich mal die entsprechenden Elemente finden aber das Setting im ganzen hat sie nicht.


    "Serenity" wird zwar gerne als "Traveller-artig" beschrieben aber es gibt eine Menge Unterschiede in Technik, Setup (Single System vs. Multi-System, Kommunikationsgeschwindigkeit, Machtgruppierungen) Das IMHO beste Gegenstück sind Settings wie "Babylon-5" und "DS-9" bzw. die "Vatta's War" Romane von Elisabeth Moon.

  • Quote

    + Für "Space Opera" ist die Technik zu bodenständig-realitätsnah


    Da würd´ ich nicht so ganz mitgehen wollen. Streiche "Opera" und setze "Fantasy", dann stimmt die Aussage - Star-Wars ist Traveller eindeutig nicht. Allerdings ist Traveller SEEEEEEHR nahe an Klassikern der Space-Opera wie Asimovs Foundationzyklus, den Dominic-Flandry-Romanen oder den Romanen über die Polesotechnische Liga von Anderson. Schon die Grundprämissen von Traveller (interstellare Raumfahrt, mehrere tausend Sonnensysteme umfassende Weltraumimperien, mysteriöse Alienrassen, das "Rise-of-Mankind-Szenario" des frühen zweiten Imperiums) sind Space-Opera par´ excellance. Traveller übertreibt´s in einigen Bereichen nur nicht so übermäßig wie manch anderes Weltraummärchen ;)


    Von dem Punkt mal abgesehen würde ich deine Liste allerdings vollständig unterschreiben...


  • + "Western" nur in einigen Grenzgebieten und da z.T. nur wenn der SL nicht so viel Wert auf Realität legt (Spinwärts-Marken etwa sollte NICHT so sein)


    Auf einzelnen Welten mögen sich mal die entsprechenden Elemente finden aber das Setting im ganzen hat sie nicht.


    Eben. Auf einzelnen Welten, in einzelnen Abenteuern oder gar Kampagnen kann man alles haben. Zum Thema "Western" gibt es z.B. das MGT-Abenteuer "Fiddler's Green", komplett mit Eisenbahnüberfall und der Kavallerie.

  • Da würd´ ich nicht so ganz mitgehen wollen. Streiche "Opera" und setze "Fantasy", dann stimmt die Aussage - Star-Wars ist Traveller eindeutig nicht. Allerdings ist Traveller SEEEEEEHR nahe an Klassikern der Space-Opera wie Asimovs Foundationzyklus, den Dominic-Flandry-Romanen oder den Romanen über die Polesotechnische Liga von Anderson. Schon die Grundprämissen von Traveller (interstellare Raumfahrt, mehrere tausend Sonnensysteme umfassende Weltraumimperien, mysteriöse Alienrassen, das "Rise-of-Mankind-Szenario" des frühen zweiten Imperiums) sind Space-Opera par´ excellance. Traveller übertreibt´s in einigen Bereichen nur nicht so übermäßig wie manch anderes Weltraummärchen ;)


    Von dem Punkt mal abgesehen würde ich deine Liste allerdings vollständig unterschreiben...


    Okay, mit der Definition von Space Opera stimme ich zu - Traveller ist Space Opera. Meine Definition ging mehr in Richtung "Skylark-Zyklus" oder die Stories um "Honor MarySue Harrington"


    Und danke für die Referenz auf die "Technical Civilisation" von Poul Anderson. Die "Sternenhändler" (Niclas van Ryn) und "Domenic Flandry" Romane schreien gerade zu "Traveller". Die "Solar Spice and Liquor" corporation und die anderen Erdkonzerne sind wahrscheinlich eine der Inspirationen der Traveller MegaCons

  • Vom GRW aus gesehen bietet Traveller ja relativ wenig Setting. Kann man denn damit gut eine Mischung aus Cyberpunk, Hard Sci-Fi und Military darstellen, wäre nämlich der größte Reiz für mich? Hätte mich auch gern mal mit SLA Industries beschäftigt, aber eine dt. Übersetzung ist von dem System wohl leider nicht geplant.



    Da der Schnitt zwischen Star Wars und Traveller angesprochen wurde, wie bzw. was geht eigentlich mit den psionischen Kräften bei Traveller?



    @ Thornton: Was meinst du mit Cyberpunkt und sozialen Elementen? Bei Cyberpunk geht es doch eigentlich hauptsächlich um die Verschmelzung zwischen Mensch und Maschine. Soziale Elemente habe ich weder in Shadowrun noch Cyberpunk 2020 entdeckt und das sind wohl die klassischen Cyberpunkspiele.

  • Die Mongoose/13Mann Variante von Traveller hat den Hintergrund in ein extra Sourcebook (Spinwärts-Marken) ausgelagert.


    In Cyberpunk (Genry nicht Spielsysteme) geht es auch um Dinge wie die Polarisierung Arm-Reich, Macht der Konzerne/Ohnmacht des einzelnen, Überwältigung durch Technik/Ersatz des Menschen durch Technik etc. (Nebenbei: Wenn du die englischsprachigen CP 2020-Sourcebooks kennst: Da ist genau das drin, speziell in Home of the Free/Land of the Brave also den USA-Quellen). Lies mal "Voice of the Whirlwind", "Hardwired" (bei Walter Jon Williams) oder Snowcrash, da wird das deutlicher.


    Was Traveller dagegen darstellt, zumindest im "3. Imperium" (Spinwärts-Marken ist das MGT Quellenbuch dazu(1)) ist Tom Clancy/Dale Brown/Richard Morgan "Technothriller". Cyberware wird benutzt, ist oft nicht mal so besonders sinnvoll und die kulturellen Aspekte des Cyberpunk fehlen genau wie (weitgehend) der "Ersatz des Menschen" Effekt (MGT hat IMHO schon zu viel "Roboter" in den Ausrüstungslisten(2)) und die "Überflutungs" Ansätze (das fehlen von "Schneller als Licht" Funksystemen hilft gewaltig)


    Psionik in Traveller war (bisher - die MGT Psionik ist leider ein "generisches" Buch) ziemlich schwach und mit technischen Massnahmen (Psi-Schild, wirkt auch gegen Teleporter etc) zu kontern. Also keineswegs "Use the fork George" und selbst der Saft war nicht mit einem. In wie weit Psion jetzt so was erlaubt hab ich bei "überfliegen, schreien, wegstellen" des englischen Werkes nicht klar ausmachen können


    Hard SciFi auf dem Niveau von "Co-Dominon" (Pournelle) und "Known Space" (Niven) geht, diese Romane und Traveller haben gewisse Symbiosen. Wenn du natürlich den Überlicht-Antrieb rausnimmst musst du dir nen eigenes Universum schneidern. Militäry geht "ein bischen" da die Ausrüstungslisten noch nicht alles hergeben. Selbst "Central Supply" hat noch keine Fahrzeuge und die Fahrzeug-Konstruktionsregeln fehlen noch ganz.


    Wenn es Hard SciFi/Militarismus sein muss, ist statt des OTU ggf. das Hammers-Slammers Setting für dich interessant. Das ist Militär pur.


    (1) Von GDW gibt es als PDF's noch das "MegaTraveller/Hard Times" Setting (für solche die es düsterer mögen) und von QLI als PDF noch das "Gateway" Setting (für Leute die mehr Mittelmächte und ein schwächeres Imperium bevorzugen) Alles ebenfalls 3. Imperium oder "Official/Original Traveller Universe" settings


    (2) Technisch ggf. "realistisch" aber IMHO rollenspielerisch langweilig. Die Bots sind "zu doof für Spielercharaktere" aber "gut genug als Szenendieb"

  • Wo würdet ihr eigentlich Alien einordnen, klar Horror, aber in welches Subgenre von Sci-Fi, Hard oder was???


    Gibt es bei Traveller auch Endzeit-Planeten, halt düster, ne Mischung vielleicht aus Tchernobyl meets Mad Max?


  • Gibt es bei Traveller auch Endzeit-Planeten, halt düster, ne Mischung vielleicht aus Tchernobyl meets Mad Max?


    Das 3. Imperium besteht aus 11.000 Welten, etliche davon sind imperiales Sperrgebiet. Da werden schon dutzende darunter sein, die man mit Mad Max meets Tschernobyl beschreiben könnte. Standard ist das nicht, kommt aber sicher vor.

  • Die Frage ist ja eher, gibt es das System her. Wie Pyromancer schon schrieb, bei diesem riesigen Spieluniversum ist im Setting Platz für so gut wie alles, aber man muss dann schon die Stimmung in einem Konzept gut und spannend umsetzen können. Bei einer Alienartigen Story sehe ich da weniger ein Problem, aber eventuell bei anderen Konzepten...

    Ignorance is not a crime, it's just a shame.


    Warren Sapp, former DT, Tampa Bay Buccaneers

  • Wo würdet ihr eigentlich Alien einordnen, klar Horror, aber in welches Subgenre von Sci-Fi, Hard oder was???


    Gibt es bei Traveller auch Endzeit-Planeten, halt düster, ne Mischung vielleicht aus Tchernobyl meets Mad Max?


    Ich schließe mich da meinen Vorrednern weitgehend an - Alien würde ich als HardSF / Horror einordnen (TL 9 - 11 oder so) und es gibt mit Sicherheit auch Welten, die sich auf die eine oder andere Weise zugrunde gerichtet haben.
    Die sind aber eher etwas abgelegen und selten besucht, ansonsten würde sich durch den interstellaren Verkehr und mutmaßliche karitative Maßnahmen die Situation verbessert haben.
    Im Quellenbuch "Hard Times" für MegaTraveller wurde der Zusammenbruch ganzer Regionen im Verlauf des Bürgerkrieges regelrecht simuliert - da gab es dann mehr als genug Endzeitplaneten.
    Traveller lässt sehr vieles zu - im MT-Abenteuer "Knightfall" gab es einen Seitenplot, in dem die sonst eher ausgeklammerten Cyborgs eine maßgebliche Rolle spielten (insbesondere die Reaktion anderer guter imperialer Bürger auf "vollverchromte" Adelige einer sehr exzentrischen Welt).
    Diese Vielfalt macht für mich einen der maßgeblichen Reize des Spieles aus.

  • Ich lese gerade Star Vikings TNE, da gibt es genug Möglichkeiten eines Cyberpunksettings ohne Cybertech und -oder Endzeitwelten.


    Wenn ich aus Cyberpunk sowohl die Cyberware als auch das "Die Welt geht zum Teufel"-Elememt rausnehme, was bleibt dann noch über vom Cyberpunk? StarViking hat einige interessante Settings aber keines davon ist Cyberpunk. Einige laufen in die Richtung "Alternative Gesellschaftsformen" oder "Transhumanism" (eigentlich Transdroynism IIRC) aber Virus macht noch kein Cyberpunk-Setting.


    Ansonsten währe "Vatta's War" (Elisabeth Moon) auch Cyberpunk, die Implants sind recht heftig. Aber da die gesellschaftlichen Elemente fehlen ist es nur klassischer SciFi mit ordentlich Action.

  • Wenn ich aus Cyberpunk sowohl die Cyberware

    Weil die Welt technologisch zum Teufel gegangen ist und die TED, Technologische Diktatoren ein Cyberpunk ohne Cyberware erlauben - bzw mit rare Cyberware.
    Es wäre z.T. Theokratische Punk o.ä. aber immer noch Punk


    Quote

    aber Virus macht noch kein Cyberpunk-Setting.

    Auf den Bezog ich mich nicht.



    Quote

    Aber da die gesellschaftlichen Elemente fehlen ist es nur
    klassischer SciFi mit ordentlich Action.

    Die gesellschaftlich-pychologischen Probleme machen Cyberpunk zu Cyberpunk, die Cybertechnologie ist da eher ein Vehikel.


  • Diese gesellschaftlichen Probleme fehlen aber weitgehen. Auch bei den TEDs. Die sind ja in den meisten Fällen mehr wie die Kolonialherren des 19. Jahrhunderts die grosse Mengen "primitiver" mit wenigen aber überlegen bewaffneten Truppen in Schach hielten. Dazu kommt das die Entfremdungs/Entmenschlichungselemente fehlen, das "vom Fortschritt überrollt werden" (Teddies haben meist nur "Restwaffen", sie entwickeln nicht weiter). Das Verhältniss zu den Untertanen ist mehr Arbeiter zu Adel vor der Industrialisierung. "Der Baron hat fliessend Wasser aus einem HAHN!" aber nicht "es gibt da ein Ding namens Dampftractor das mich und mein Pferd ersetzt"