Und was kommt wann?

  • Ich denke - und hoffe - dass das Übersetzerproblem ein Einzelfall war und bleibt. Aber leider auch dazu später mehr, wenn die ersten neuen Übersetzungen reinschneien und ich die Zusammenarbeit auch persönlich beurteilen kann.

    – Christian, Traveller Produktmanager


    Momentan leite ich:
    Traveller - Stolperfalle
    Castles & Crusades - Wilderlands, tief in der Citystate of the Invincible Overlord
    Trail of Cthulhu - Arkham
    Rolemaster auf der Palladium Welt - Rise of the Runelords Kampagne


    Ganz fürchterlich auf Eis wegen Terminproblemen
    Trail of Cthulhu - Orient Express 1924 - kurz vor Schluss


    Momentan spiele ich mit in:
    Space 1889
    AD&D 2nd - Homegrown

  • Ah ja Also ein paar Infos die ich nicht hatte. Zb das du den bereich gewechselt hast. Bis her sah es für mich durch die bruchstücke aus als ob das Team um den Bereich immer größer geworden wäre. Wenn ich euch persönlich angegriffen habe sorry. Mal eine andere frage was ist zb die nötige Qualifikation für Übersetzer? Den wie du schreibst laßen euch die Übersetzer hängen.


    Das ist eine gute Frage. Vielleicht sollte ich das generell etwas näher erläutern, dann kommt es auch weniger zu Missverständnissen. Nun...
    Allgemein solltest du dich vielleicht von der Idee verabschieden, dass die Übersetzer Festangestellte sind. Wir haben also kein Büro, in dem 1 bis X Leute sitzen und den Tag lang übersetzen. Übersetzer sind immer Freelancer oder Agenturen. Sogar bei großen Verlagen, wie Springer wird das so sein. Wenn die Leute also Scheiße bauen, können wir sie nicht maßregeln, wir können ihnen natürlich kein Geld zahlen und sie nicht nochmal engagieren, aber mehr auch nicht.


    Was uns also zum Geld bringt. Normale Übersetzungen von Fachliteratur (und Rollenspiele sind Fachliteratur) kosten ein Schweinegeld. Wenn wir (und übrigens auch jeder andere Verlag in der deutschen Rollenspielbranche) diese Preise bezahlen würden, müsste jedes Buch über 150 EUR kosten, alleine wegen der Übersetzung. Wie viele Leute dann noch Bücher kaufen, kannst du dir ausmalen.
    Wir zahlen daher wie in der Rollenspielbranche üblich nur einen Bruchteil einer Fachliteraturübersetzung. Das bedeutet aber auch, die Übersetzer kommen nicht des Geldes wegen zu uns. Sie machen es, weil sie in Übung bleiben wollen, weil es ihnen Spaß macht, weil sie ihr Rollenspiel unterstützen wollen oder gerade nichts anderes zu tun haben. Sie tun es nicht, um davon zu leben. Daher ist die Drohung: "Entweder du übersetzt oder wir zahlen nicht!", nicht mehr so effektiv. Damit wir uns nicht falsch verstehen, die bekommen schon gut Geld, aber nicht so viel, wie bei einem normalen Auftrag. Daher ist es in der Branche auch usus (und der 13Mann Verlag ist da keine Ausnahme), wenn der Übersetzer einen "echten" Auftrag bekommt oder sonst "das Leben dazwischen kommt", bleibt die Rollenspielübersetzung erstmal liegen. Ist ja klar, würde jeder von euch auch so machen. Das kann aber schon zu Verzögerungen führen.


    Und was sind das nun für Anforderungen an die Übersetzer? Nun, ich arbeite gerne mit staatlich geprüften Übersetzern zusammen. Da weiß man meistens, was man bekommt und sie sind auch meistens termintreu. Das Problem ist: Für den oben erwähnten Lohn finden sich nicht viele staatlich geprüfte Übersetzer. Darüber hinaus gibt es noch Personen, die sich ein Zubrot mit der Übersetzung verdienen oder es aus Spaß machen, die aber keine staatlich geprüften Übersetzer sind. Die Qualität ist hier natürlich auch stark schwankend und kann dazu führen, dass man ein Manuskript nochmal zur Überarbeitung zurückgeben muss. Wenn die Motivation des Übersetzers dann auch noch weg ist, kann es schonmal vorkommen, dass sie sich nicht mehr melden. Mir sind inkl. Starports nur zwei solcher Vorkommnisse bekannt, aber es kann passieren.
    Idealerweise kennt der Übersetzer sich auch noch bestens mit Traveller aus (wir alle erinnern uns gerne in diesem Zusammenhang an die Übersetzung des Feuerstoßes in der ersten Auflage).


    Wenn aber all diese Hürden genommen sind, kommt der Fachlektor. Das ist jemand, der Traveller in- und auswendig kennen sollte und ein Auge fürs Detail hat. Diese Experten lesen den Text Zeile für Zeile, Seite für Seite durch und prüfen, ob die Übersetzung korrekt ist, die richtigen Fachbegriffe verwendet wurden (die Geheimnisvollen heißen jetzt die Alten und Raider heißt jetzt Twix) und die Regeln richtig erläutert wurden. Wie du dir sicher vorstellen kannst, ist Traveller-Experte keine Berufsbezeichnung, die du beim Arbeitsamt (Entschuldigung: Agentur für Arbeit) abrufen kannst. Das sind Hardcoregamer (wenn ich sie mal so nennen darf), die vermutlich zusammen mit Marc Miller und Gary Gygax das Rollenspiel erfunden haben. Die prüfen das dann in ihrere kostbaren und selten vorhanden Zeit.


    Danach kommt das Sprachlektorat, wo nochmal auf Rechtschreibung und Grammatik geachtet wird. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Nicht, weil ich die Arbeit der Personen nicht schätzen würde, sondern weil es von allen Arbeitsschritten der unkomplizierteste ist.


    Danach schaut nochmal jemand über alle Änderungen drüber und versucht diese möglichst einheitlich zusammenzufügen (Fachlektoren und Sprachlektoren haben ja auch manchmal noch Rückfragen).


    Danach steht das Layout an. Hier kann es schonmal vorkommen, dass nicht alle Bilder z.B. von Mongoose geliefert wurden. Man muss erst wieder nachfragen, dann vergeht ne Woche, bis sich einer meldet und die Bilder bekommt (manchmal kann man natürlich auch Glück haben und man erhält sie noch am selben Tag). Aber im Prinzip hält sowas ein Layout auch schonmal auf. Dann bemerkt jemand noch einen Fehler im Text, der korrigiert werden muss. Evt. sind Errata rausgekommen in der Zeit und wenn man dem Layouter dann noch mit einer Ergänzung kommt, kann man schon manchmal die Mordlust in seinen Augen funkeln sehen.


    Und dann gehts raus zum Drucker. Mit etwas Glück bekommst du dann so ein bis zwei Monate später das Produkt, dass du bestellt hast. Wenn du Pech hast, stimmt irgendwas nicht, z.B. ist das Papier zu dünn (Roboterbuch, Spielleiterschirm). Dann überlegst du dir, ob du das Produkt dann so rausbringen kannst und ob die Kunden dich dafür kreuzigen würden, oder ob alles Geld rausgeschmissen war und du nochmal zwei Monate auf einen Nachdruck warten musst (Streit mit der Druckerei natürlich inbegriffen).


    So, dann hast du ein Buch, dass der Endkunde für einen festen Preis (Buchpreisbindung) kaufen kann. Von jedem verkauften Buch bekommt der Lizenzgeber so zwischen 7% und 10%, die Autoren wollen auch nochmal so viel Geld haben. Bis zu fast 60% nimmt ein Großhändler. Du siehst, von dem Geld ist fast gar nichts mehr übrig und von dem, was nun übrig ist, müssen die Übersetzer, die Fachlektoren, Sprachlektoren, das Layout, die Druckerei, der Transport und die "ab 20 Euro Versandkostenfrei" bezahlt werden.
    Und der kümmerliche Rest, der nun noch übrig ist, ja der gehört dem Verlag.


    Jetzt könnte man natürlich sagen, dann müssen halt viele Bücher verkauft werden, dass es sich lohnt, aber der Rollenspielmarkt ist leider nicht so groß. Da ist die Sättigungsgröße schnell erreicht. In Deutschland haben die Verlage zudem noch ein anderes Problem: Die Deutschen sprechen zu gut Englisch. Wenn ein Kunde also schon das englische Buch hat, sagt er sich ja oft: Wozu noch das deutsche Buch kaufen, ich habe ja schon das englische. Und schon werden noch weniger Bücher verkauft.


    Du siehst, Jhary, es ist nicht einfach, ein Rollenspielverlag in Deutschland zu sein...

  • Ups, was wurde denn hier losgetreten...


    @ RouvenW & Deepfire
    Danke für eure Ausführlichen Antworten.


    Abgesehen von Starports und dessen Entwicklungsgeschichte, wie ist den der heutige Stand von Tripwire & Agenten?
    Es war ja die Rede davon das:
    "Sind noch im Korrektorat. Um genau zu sein, sind sie letzte Woche zusammen auf meinem virtuellen Schreibtisch gelandet. So ein Korrektorat dauert ungefähr einen Tag, manchmal auch zwei. Ich hoffe also zumindest nächstes Wochenende eines der beiden Bücher zum Layout zu schicken."
    Und: Mit was dürfen wir denn in Absehbarer Zukunft rechnen?
    Ich für meinen Teil wünsche mir jetzt kein Traveller 5 mehr von euch. Sorry, das soll kein Angriff sein, aber ich befürchte einfach, das dann gar nichts mehr bei euch hinhaut wenn ihr schon, wie bei Starports beschrieben, solche Probleme mit Übersetzer habt.
    Alle Kritik mal bei Seite, bin ich sehr Froh, das es Traveller auf deutsch bei euch gibt und das hoffentlich auch noch so lange, bis die "Lücken" in meinem Regal von Euch geschlossen werden. :)


    Danke & LG

  • @ Mankotaleph ich dachte es wäre mein Jb der Buh mann zu sein. ;)


    @ RouvenW wenn ich das so zusammen fasse seit ihr von Anglistic Studenten abhängig die von Umgangssprache keine Ahnung haben. Das hatte ich befürchtet. Und das erklärt die Schwankenden Verständlichkeiten der Texte.

  • @ RouvenW und Deepfire:
    Ich danke auch für die tollen Antworten! Es ist schön, mal zu hören, wie das alles abläuft. Besonders die 60% für den Großhändler haben mich überrascht. Ich denke, dann werd ich das nächste Mal, wenn ich was von euch kaufe, direkt bei euch bestellen. Für was wär das Internet denn sonst gut, wenn nicht für so etwas?


    Jhary :
    Das mit den Anglistikstudenten hast du jetzt zwar einfach erfunden, aber ich kenne da ein paar und die haben sehr wohl Ahnung von "Umgangssprache". Ich mein, es ist etwas naiv anzunehmen, dass Leute, die sich speziell mit einer Sprache beschäftigen, gerade das Allereinfachste (=Umgangssprache) an ihr nicht können würden. Ansonsten hat Rouven von staatlich geprüften Übersetzern gesprochen, was, wenn du nun unbedingt Studenten erfinden willst, eher die Zielgruppe der Translationsstudenten sein dürfte. Und auch gerade für die ist Umgangssprache nie ein Problem, da ihr Niveau meistens sehr hoch ist. Probleme macht eher später die Spezialisierung in Richtung Fachwortschatz, speziell juristischen. Also daher find ich deine Vermutung etwas sehr weit hergeholt. Und irgendwie sehr seltsam, da in Printprodukten Umgangssprache ohnehin eher sehr selten sein dürfte.

  • Ansonsten hat Rouven von staatlich geprüften Übersetzern gesprochen, was, wenn du nun unbedingt Studenten erfinden willst, eher die Zielgruppe der Translationsstudenten sein dürfte. Und auch gerade für die ist Umgangssprache nie ein Problem, da ihr Niveau meistens sehr hoch ist. Probleme macht eher später die Spezialisierung in Richtung Fachwortschatz, speziell juristischen. Also daher find ich deine Vermutung etwas sehr weit hergeholt.


    Bei anderen deutschen Verlagen, die englische Regelwerke übersetzen, ist man froh, wenn man einen Anglistik-Studenten findet, der übersetzt, an sonsten macht das nämlich ein Informatik-Student oder ein Maschinenbauer. Profi-Übersetzer mit Profi-Gehaltsforderungen (und die sind, gemessen an anderen Berufen, schon ziemlich niedrig), kann sich in der Branche schlicht niemand leisten.

  • @ RouvenW und Deepfire:
    Ich danke auch für die tollen Antworten! Es ist schön, mal zu hören, wie das alles abläuft. Besonders die 60% für den Großhändler haben mich überrascht. Ich denke, dann werd ich das nächste Mal, wenn ich was von euch kaufe, direkt bei euch bestellen. Für was wär das Internet denn sonst gut, wenn nicht für so etwas?


    Jhary :
    Das mit den Anglistikstudenten hast du jetzt zwar einfach erfunden, aber ich kenne da ein paar und die haben sehr wohl Ahnung von "Umgangssprache". Ich mein, es ist etwas naiv anzunehmen, dass Leute, die sich speziell mit einer Sprache beschäftigen, gerade das Allereinfachste (=Umgangssprache) an ihr nicht können würden. Ansonsten hat Rouven von staatlich geprüften Übersetzern gesprochen, was, wenn du nun unbedingt Studenten erfinden willst, eher die Zielgruppe der Translationsstudenten sein dürfte. Und auch gerade für die ist Umgangssprache nie ein Problem, da ihr Niveau meistens sehr hoch ist. Probleme macht eher später die Spezialisierung in Richtung Fachwortschatz, speziell juristischen. Also daher find ich deine Vermutung etwas sehr weit hergeholt. Und irgendwie sehr seltsam, da in Printprodukten Umgangssprache ohnehin eher sehr selten sein dürfte.


    Sorry Pal aber ich habe erlebt wie Anglistic Studenten Bar Schlägereien ausgelöst haben peinlicher weise auch noch mit der MP da sie nicht die kleinen feinen unterschiede bei Umgangssprache kannten. Und schon mal erlebt das ein Anglisticer US english kann ich kaum, die kommen meist meist Oxford slang und wundern sich das der Long Island Icetea besoffen macht.

  • Pyromancer : Ja, das dacht ich mir auch. Zumindest ich hab den Absatz in Rouvens Posting so verstanden, dass der Verlag versucht, gute und zuverlässige Leute zu finden. Dass das in einem Nischenmarkt wie diesem schwer ist, ist leider so. So auf Anhieb fällt mir kein einziger deutscher Verlag ein, der jemals für eine Übersetzung gelobt wurde, eher im Gegenteil. Ich hab mich nur zu meinem Kommentar hinreissen lassen, weil ich Studentenbashing einfach überhaupt nicht mag.
    Was man braucht um Rollenspielprodukte gut zu übersetzen ist eine andere Diskussion, aber der Thread entfernt sich langsam echt weit vom Titel, deshalb lass ich das jetzt besser ^^