Fragen zu gezielten Sprüchen, Bogenschießen, Feilschen und dem Schwierigkeitsgrad

  • Hallo Leute,

    ich möchte morgen meine erste Runde P&P spielen. Und zwar als Spielleiter, ebenfalls mit Anfängern.

    Dazu habe ich noch ein paar Fragen, die ich gerne klären würde.


    1. Gezielte Sprüche

    Unser Zauberer möchte zunächst Support spielen und verzichtet daher darauf "gezielte Sprüche" auf Stufe 1 zu skillen.

    Es besteht aber die Möglichkeit Zauber einer höheren Stufe zu wirken, welche gezielt sind und ich werde ihm zu seiner Überraschung (er hat es wohl immer wieder überlesen, dass ihm einer zusteht) einen Zauberstab zu Beginn des Abenteuers unterjubeln. Dafür braucht der Gute allerdings gezielte Sprüche. Wenn er da 0 hat, muss ich ihm dann wie bei einer Waffe "-2" auf den Wurf geben oder die Probe erschweren? Oder reicht es einfach keinen Bonus für gezielte Sprüche zu seinem Intelligenzbonus zu zählen? Die Probe wird also um 1 "schwerer" bzw. einfach nicht leichter.


    2. Bogenschießen

    Meine Freundin übernimmt den Part der Bogenschützin als Wildelfen-Waldläuferin.

    Nun habe ich bereits das Thema zum Bogenschießen im Nahkampf gelesen und mich dazu entschieden keinen DB zu gewähren, ansonsten aber keine Erschwernis zu geben.

    Bei der Charaktererstellung kam allerdings die Frage auf, ob ihre verbesserte Sicht ihr nicht auch beim Bogenschießen helfen würde. Logisch würde ich "ja" sagen. Halte dieses Talent aber eher für ausschlaggebend für Manöver wie "Wahrnehmung" oder "Natur". Gebt ihr einem Elfen einen Bonus auf Bogenschießen?


    Außerdem ist unsere Waldläuferin direkt mit 40 Pfeilen auf Erkundungstour gegangen. 20 im Köcher und ein Bündel im Rucksack. Ich denke zwar, dass man mit 40 Pfeilen gut durch ein Abenteuer bis zum nächsten Händler kommen kann, aber lasst ihr Pfeile "wieder aufsammeln"? Ich hatte bereits geplant so bummelig jeden 3. kaputt gehen zu lassen. Und ich habe sie ein "Taschenmesser" für 15KL kaufen lassen um sich im Notfall neue Pfeilschäfte schnitzen zu lassen. Sie lebt im Wald und ernährt sich von der Jagd, da schien mir das Pfeilemachen als nicht so absurde Fähigkeit. Untergräbt dies im Endeffekt das Kampfsystem?


    Ist es in Euren Augen Sinnvoll noch einen Dolch zum Bogen zu besitzen? Ich habe sie bisher erst mal davon abgehalten sich bis an die Zähne zu bewaffnen, da sie sowieso nicht genügend AP dafür hat, jede Waffe zu skillen.


    3. Feilschen

    Unsere Bardin ist in ihrer Rolle vollkommen aufgegangen. Im RL ist sie bereits ziemlich dreist, bekannt dafür in jedem Spiel zu schummeln, sollte sich die Gelegenheit bieten und sie könnte einem Bauern seine letzte Kuh abschnacken. Aber als Bardin kommt sie direkt aus der Hölle zu mir als Spielleiter. Wirklich bei allem wollte sie verhandeln und feilschen, bis ich als Kaufmann die Geduld verloren habe und sie aus meinem Laden schmeißen wollte, ohne ihr ein einziges Stück Anfangsausrüstung zu verkaufen.

    Lasst ihr beim einkaufen über den gesamten Einkauf feilschen oder eher über bestimmte Dinge? Alltagsgegenstände wie Lampenöl würde ich eher bei einem festeren Preis belassen. Teure, nicht alltägliche Gegenstände, wie eine Rüstung oder Waffe würde ich auch mal ausführlicher verhandeln oder im Set verkaufen.

    Nachdem sie direkt zu Beginn Laterne und Öl von 36KL auf 30 herunter handeln wollte, habe ich sie würfeln lassen und ihr sogar etwas mehr Rabatt auf Grund des guten Ergebnisses gegeben.

    Danach ist ein Versuch an der Lederrüstung gescheitert. Und zwar kläglich mit einer 2. Lasst ihr nach so einer Aktion überhaupt noch mal feilschen zu?

    Ich habe es dann abgewürgt, da die anderen Spieler jetzt auch nicht jeden Gegenstand ausgewürfelt sehen wollten.

    Allgemein möchte ich allen auch immer die Möglichkeit bieten kreativ zu spielen und nicht zu viel einzugreifen, aber unsere Bardin könnte sich als ziemliche Geduldsprobe herausstellen, da in der Regel immer erst jedes 10. Nein akzeptiert wird. Kennt ihr soetwas? Wie geht ihr damit um?


    Außerdem kann ich mich im Moment nicht vor potenziellen Mitspielern retten. Etwa 9 Leute würden gerne mitspielen, ich habe es jetzt auf 5 heruntergebrochen, damit die Terminfindung auch klappt. Das bedeutet aber auch, dass der Schwierigkeitsgrad sinkt. Sollte ich einfach in Abenteuern, die wohl eher auf 3 Leute ausgelegt sind, die doppelte Menge Monster spawnen?

  • zu 1)

    Fertigkeitswürfe können auch ohne Ränge gemacht werden. Den Malus gibt es nur bei Waffen.


    zu 2)

    Man kann natürlich eine Regel zum Aufsammeln von Pfeilen verwenden. Das wird das Gleichgewicht nicht kippen. Eine Zweitwaffe ist auch sehr empfehlenswert!

    Der Sichtbonus gilt primär auf die genannten Fertigkeiten. Sofern ein Umstand wie Dunkelheit den Angriff negativ beeinflusst, würde ich u.U. den Sichtbonus zulassen. Bei Entfernungsmalussen wäre es theoretisch denkbar, wenn dort auch andere Faktoren ausser Sicht ausschlaggebend sein können (Kraft, Ruhe etc). Ich würde es daher dort eher nur bei ganz großen Entfernungen zulassen, nicht auf die kurzen Distanzen.


    zu 3)

    Man sollte es nicht übertreiben. NSC können nicht zum Feilschen gezwungen werden. Ich würde zur Vereinfachung auch über den Gesamtpreis eines Einkaufs feilschen lassen. Eine Wiederholung würde ich auch nur in Ausnahmefällen erlauben.

  • Ach ja. Die doppelte Menge bei 5 SC würde ich nicht unbedingt empfehlen. Mach es lieber von der Kampfkraft der Gruppe abhängig. Probiere es mit den Angaben und nimm bei Bedarf ein, zwei oder X Gegner hinzu. Das lernt man mit der Zeit :)

  • Moin!

    Da hast du ja gleich einen ganzen Packen an Fragen mitgebracht. Ich versuche mal, ein paar Lösungsansätze dafür zu nennen. Wohlgemerkt, Ansätze. Bei manchen Dingen gehe ich vielleicht etwas zu hart mit der gegebenen Situation ins Gericht.

    zu 1: An sich klingt das für mich wie ein Brautstraußwerfen oder blind schießen. Es könnte klappen aber es kann auch genauso gut gewaltig in die Hose gehen. So rein theoretisch betrachtet würde ein Zauberer ohne gezielte Sprüche zwar in der Lage sein, Magie zu nutzen aber eben nicht "zu zielen", also sie auf ein bestimmtes Ziel zu lenken. (Das halte ich bei Schadenszaubern für übelst riskant.) Für mich bedeutet das im Umkehrschluss, dass entweder der Zauber gar nicht erst funktioniert, weil irgendetwas beim Formen der Magie an sich schon schief läuft oder aber die Wirkung eben irgendwo hin geht. Und daneben gibt es eben auch die Chance eines mehr oder minder glücklichen Treffers.

    Aber mal ehrlich, es wäre doch eigentlich nur fair, wenn du deinen Spieler drauf hinweisen würdest, dass ihm da eine Sache entgangen ist. Wenn derjenige dann immer noch keine gezielten Zauber beherrschen will, dann sei es halt so. Aber der "Ätsch!-Faktor" fällt halt weg.


    zu 2: Also bei der Wahrnehmung bin ich nur halb bei dir. Ja, es ist sicherlich einfacher mit einer verbesserten Wahrnehmung ein Ziel in der Ferne auszumachen. Allerdings ist Bogenschießen eine sehr technische Sache. Und beim Ausführen einer sauberen Technik hilft ein gutes Augenlicht nun einmal nicht. Vor allem bei kürzeren Distanzen dürfte die verbesserte Sichtwahrnehmung nicht ins Gewicht fallen. Ich habe selber schon mit vielen Leuten zusammen geschossen, die Glasbausteine vor den Augen hatten (ja, ok, ich bin auch ein Maulwurf...) und eben mit solchen, die keine Brille brauchten. Von der Perspektive des Sportvereins kann ich nur sagen, es gab bei uns keine Anzeichen dafür, dass Leute mit besserer Sicht auch immer besser schießen. Dementsprechend bekommt der Waldi in meiner Runde auch keinen Bonus, wenn das Ziel nicht richtig weit weg ist.

    Pfeile aufsammeln lasse ich zu, sofern die nicht an Steinen zerschellt oder in Flüssen baden gegangen sind. Will heißen, das regeln wir komplett situationsabhängig bei uns.

    Pfeile fertigen - auch hier natürlich nur die Perspektive meiner Runde - handeln wir auch etwas differenzierter ab. Ich habe schon verlangt, dass unser Waldi Wissen:Bogenbau erlernt (das nochmal auf Pfeile zu spezialisieren war uns dann aber auch too much). Weiterhin sind wir so verblieben, dass er "Krüppelpfeile" so gut herstellen könnte, welche die richtig sauber fliegen aber lieber in einer Werkstatt fertigt. Das klingt im ersten Moment hart aber er hat in der laufenden Kampagne auch zum Einen einen Lehrmeister/Mentor dafür an die Hand bekommen und zum Anderen wird er auch in Zukunft sehr oft die Möglichkeit haben, dass in einer Stadt zu tun. Selbstredend gegen den ein oder anderen Gefallen, den er dem jeweiligen Bogner dann erweist. Und zusammen mit dem Aufsammeln von Pfeilen relativiert sich das auch nochmal mehr.


    Ein Dolch ist aber immer sinnvoll. Oder ein Messer. Oder sonst irgend eine kurze Klinge. Wurst schneidet sich nicht so gut mit Pfeilen entzwei. ;)


    zu 3: Ganz ehrlich, das würde ich nicht ausschließlich ingame klären. Wenn bei der Charaktererschaffung mal 5 grade sind, ok. Aber da schon richtig zu feilschen finde ich etwas übertrieben. So wie du klingst, scheint sich das Problem ja nicht ausschließlich auf Handlungen im Spiel zu beschränken. Wenn dem wirklich so ist, dann sucht mal das Gespräch in der Gruppe. Sonst gibt es nur Frust am Ende, weil irgendwo irgendwelche Gefühle schwelen, nicht nur zwischen euch beiden, sondern auch bei den Mitspielern, die das ja mitbekommen.

    Und wenn ingame der Bogen überspannt wird, dann ist es sicherlich nicht verkehrt, da mal Konsequenzen folgen zu lassen. Auch Händler haben ihren Stolz, vor allem aber auch eigene Brötchen zu bezahlen. Und wenn dann schon mal der Misserfolg gegeben ist, dann sollte auch bei dem Händler Schluss sein. Also nein, nach einem gewürfelten Misserfolg würde ich kein weiteres Feilschen zulassen.


    zu "4": Mensch, dein Luxusproblem möchte ich haben! Ich mache den Schwierigkeitsgrad in der Regel nicht an der reinen Charakterzahl fest. Es kommt für mich auch immer darauf an, wie kampflastig die Charaktere geskillt sind und auch wie taktisch die Gruppe denkt und spielt.

    Neben einem reinen Erhöhen der Gegner kann man aber auch das Gelände schwieriger machen, die Umweltbedingungen modifizieren, waffen der gegner ändern oder vielleicht auch die Monster austauschen. Mein Tipp wäre hier: Schau dir den Kampf selbst einmal an. Welche Rolle nimmt er im Plot ein? Soll er nur etwas Action bringen, soll deutlich werden, wie lebensfeindlich die Umgebung ist, handelt es sich um einen Endgegner? Wenn du dir dessen bewusst bist, fällt es dir vielleicht leichter, den Kampf anzupassen. In jedem Fall würde ich aber behutsam vorgehen. Schau dir an, wie sich die Gruppe in Kampfsituationen so macht. Und nimm lieber ein Monster zu wenig, als gleich zu Beginn einen Wipe-Out zu verursachen.

  • Vielen Dank für die ausführlichen Antworten!

    Das hat mir schon sehr geholfen und auf einige Sachen ein anderes Licht geworfen :)


    Und falls es so rüber kam: Ich will auf keinen Fall ein Spielleiter sein, der den Tod der Truppe als eigenen Erfolg ansieht.

    Ich will bloß den richtigen Grad zwischen fordernd und frustig.

    Unseren Zauberer habe ich mittlerweile mehrfach darüber aufgeklärt, dass gezielt Sprüche eventuell sinnvoll sein könnte.

    Er hat sich jetzt noch mal das Spielerheft mitgenommen und überlegt es sich. Mehr kann ich nicht tun. Und ansonsten eben ohne den einen Punkt von "gezielte Sprüche". Lynx hat zwar recht, dass die Dinger dann vermutlich sonst wo landen könnten, aber das kann ich in dem Moment ja einfach entscheiden. Wenn er mal einem Teamkollegen aus versehen die Haare ankokelt, lernt er es vielleicht ;)


    Für das Bogenschießen bin ich jetzt wohl ordentlich mit Alternativen bewaffnet.

    Da werde ich sicher eine Einigung fidnen. :)


    Und das mit dem Schwierigkeitsgrad ist auch gut zu wissen. Dann schicke ich die Jungs und Mädels nicht direkt in eine Todesfalle!