ABOREA Newsletter Februar 2017

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    Hallo Abenteurer,



    Willkommen zur Februar-Ausgabe unseres Newsletters!


    Wir hoffen, dass Ihr den Winter bislang gut verbracht habt. Die ersten
    zurückkehrenden Vogelschwärme zeugen bereits von dem herannahenden
    Frühling. Doch noch ist genügend Zeit, bei gemütlichen Abenden mit Tee
    oder warmen Met ABOREA zu spielen.


    Um Euch die Winterstimmung noch etwas zu erhalten, findet Ihr in diesem Newsletter die exklusive Kurzgeschichte „Bruder Winterwolf“ von Anja Eble. Welches düstere Geheimnis wird sich in der dunklen Winternacht offenbaren?

    Lest selbst nach!


    Und selbstverständlich erwartet Euch auch diesem Monat wieder ein
    „Monster des Monats“. Dieses Mal handelt es ich um einen ganz besonderen
    Steinbeißer, welcher in unserem Team besonders viele Fans hat.


    Freut Euch auf die Gargoyle!


    Und falls Ihr ihr auf Euren Abenteuern begegnet, schreibt uns doch, wie es Euch ergangen ist.

    Unser Postkorb hallo@aborea.de oder unser Forum freuen sich immer über Eure Einsendungen.


    Viel Spaß mit dem Newsletter wünscht Euch,


    Euer Community-Team

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    Monster des Monats: Die Gargylen des Ghalgrat 

    von Anja Eble




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    „Steinerne Wächter, wache Steine, wer weiß das schon so genau. Aber hier
    muss es einen geben, der aus purem Diamant ist, und den werde ich
    fachgerecht abbauen!“


    Dirdorm, Worgrims Sohn, Forscherzwerg aus dem Ghalgrat, über die heimischen Gargylen befragt

    Allgemein herrscht die Meinung vor, Gargylen seien magische Kreaturen.
    Sie wären zum Leben erweckte Bildnisse, einige von kunstvollem
    Detailreichtum, andere grobschlächtig und tumb. Ob nun als Wasserspeier,
    steinerne Wächter oder verfluchte Statuen, so sind sie wohl alle von
    talentierten Steinmetzen geschaffen.


    Im Ghalgrat jedoch erzählen die Leute auch andere Geschichten. Dort
    werden die zumeist mit Flügeln versehenen Kreaturen nicht nur aus Fels
    geklopft, hier werden sie angeblich aus dem Stein selbst geboren.

    Natürlich kann man bei den Zwergen einen Wasserspeier für sein Dach
    bestellen, wenn man mit klingender Münze zu zahlen vermag. Noch immer
    patrouillieren in so manchem Gang unter dem Berg, in den Tiefen von
    Sorogs Hallen, längst vergessene Gargylen treu in den Diensten von
    Zwergen, die schon lange gestorben sind.


    Doch es sind weniger die Tiefen des Ghalgrat als mehr die Höhen, in
    denen man einer unerwarteten Anzahl und vor allem Varietät dieser
    Kreaturen begegnen kann. Von winzig klein bis hoch wie ein Troll oder
    gar noch größer, Gargylen scheinen im Ghalgrat verbreiteter zu sein, als
    mancher denkt. Zumeist sind diese Wesen nachtaktiv und so den Augen der
    meisten Bewohner der Region verborgen. Auch heißt es, sie würden zu
    reglosem Stein erstarren, wenn die Strahlen der Sonne auf sie fallen,
    doch scheint diese Regel nicht für alle zu gelten. Die Sonne scheint
    auch sonst nicht an jedem Tag und mancher Schatten ist länger und tiefer
    als vermutet – und verbirgt manch Wunderliches vor neugierigen Blicken.



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    In den windumtosten, eisigen Höhen, in denen sich tags kaum etwas regt,
    segeln nachts mächtige Kreaturen mit steinernen Schwingen über die
    schneebedeckten Hänge. Ganz oben am Berg, vor Sonnenlicht gut verborgen
    in tiefen, schattigen Spalten, leben die Alten, die Giganten unter den
    Gargylen, die – sollten sie tatsächlich einst von Steinmetzen erschaffen
    worden sein – ganz sicher für einen Thronsaal gemacht wurden. Doch die
    wenigen Wesen, die das Glück hatten, einen Giganten zu sehen, berichten
    eher davon, wie sie sich aus dem sie umgebenden Stein hinauszubewegen
    scheinen, so als würde der Fels selbst die Gargylen erschaffen, ihnen
    Gestalt und Leben geben. Auch erzählt man sich, dass die Älteren in der
    Lage sind, selbst kleinere Vertreter ihrer Art zu erschaffen, indem sie
    sie entweder aus Stein zusammensetzen oder aus dem Fels hinausrufen.


    Und so ist es gar nicht so sicher, ob der Steinmetz den Gargoyle
    erschafft oder vielleicht nur ein Geburtshelfer für etwas ist, das
    sowieso schon im Fels existiert und nur die Gelegenheit nutzt, zu
    werden. So manches Mal scheint es nicht einmal den Steinmetz zu
    brauchen, und so vielfältig wie der Fels, so verschieden sind auch die
    Kreaturen, die er gebiert.


    Es ist nur sehr wenig darüber bekannt, warum die Gargylen – wandernder
    Stein, der sie sind – existieren und was sie tags und nachts umtreibt,
    doch zieht es sie wohl zu den Behausungen der Menschen und Zwerge.
    Manche sind gefährlich, andere stehen den Bewohnern und Tieren des
    Ghalgrat eher gleichgültig gegenüber und viele zeigen sich auch
    freundlich, doch alle beobachten sehr genau, was um sie herum vor sich
    geht.


    Mancher Wanderer berichtete von den Hirtensippen, die weit oben Gemsen
    hüten, und schwor Stein und Bein, dass die Kinder der Sippen ihre
    Arbeiten mit Hilfe von kleinen geflügelten Wesen aus Stein verrichteten,
    nicht größer als eine Faust. Kreischend wie die Winde in den
    Felsspalten stürzten sich die kleinen Gargylen auf Gemsen, die den
    falschen Weg einzuschlagen drohten, und trieben sie zur Herde zurück.

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    Vereinzelt hört man von den Barden auf den Jahrmärkten Geschichten über
    den großen Brork, einen talentierten Beherrscher von Fels und Grund, der
    gleich mehrere Edelsteingargylen sein Eigen nannte. Angeblich waren es
    kleine Wesen aus wunderschönen Edelsteinen mit kurzen Körpern, aber
    filigranen, schimmernden Schwingen und langen Schwänzen. Er trug sie
    wohl als lebendigen Schmuck um den Hals, wo sie sich mit Flügeln oder
    Schwanz festklammerten. Auch nutze er sie als Verteidiger seiner
    Schatzhorte, von denen es einige im Ghalgrat geben soll. Mit Schmuck und
    Münzen in der Truhe wohl verborgen, warten die kleinen
    Edelsteingargylen auf die Rückkehr ihres Herren. Sollte jemand
    unrechtmäßig die Truhe öffnen, so sind sie wohl fähig, einen Zauber
    gegen den Dieb zu werfen.


    Aus alten Unterlagen Brorks geht hervor, dass die kleinen Wesen in der
    Lage sind, Zauber zu speichern und zu einer vorher bestimmten
    Gelegenheit wieder freizusetzen. Da Brork sehr gerne mit Erdbeben
    arbeitete, geht in der Bevölkerung immer noch der Spruch „Brorks
    Gargoyle hat gefunkelt“, wenn irgendwo ein Stollen zusammenbricht oder
    die Erde wegsackt. Aber ab und an schafft es wohl doch ein Plünderer,
    eine von Brorks Truhen leer zu räumen, und die Edelsteingargylen sind
    beliebte und wertvolle Beute, weit über den reinen Wert der Edelsteine
    hinaus. Sie arbeiten gerne als fleißige Helfer magisch Begabter und
    zumindest ein Alchimist in Padova rühmt sich damit, in seinem Labor
    einen Rubingargoyle einzusetzen. Brorks Verbleib ist ungewiss, er wurde
    schon lange nicht mehr gesehen, aber es gehen Gerüchte, er hätte sich in
    den Höhen mit den Giganten getroffen.

    Im Frühling, wenn die Schmelzwasser gen Tal schießen und die Bäche über
    die Ufer treten, wurden schon humanoide Wesen beobachtet, die nur aus
    Schlamm und Kieseln zu bestehen scheinen. Sie zerfließen im Tanz der
    rauschenden Wellen in mehrere kleine Wesen, um sich später an ruhigerer
    Stelle wieder zu einem großen zusammenzufügen oder aber getrennter Wege
    zu gehen. Auch ihnen ist die charakteristische, zumeist geflügelte Form
    nebst dem Greifschwanz gemeinsam und einige tanzen taumelnd über den
    schäumendsten Fluten. Ob es sich bei diesem Vorgang der Auftrennung in
    kleinere Kreaturen aber um den Tod oder die Geburt – oder vielleicht
    auch beides – eines Gargoyles handelt, darüber sind sich die Gelehrten
    uneins.

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    Einst verschlang ich fünf Kontinente. Mein Durst schluckte drei Weltmeere leer. Allein der Himmel vermag sich meiner Herrschaft zu entziehen.
    Wisset, mein Leib nennt nicht Flügel, noch Arm, noch Bein sein eigen.


    Ich bin die Midgardschlange, ich trage den Namen "Jormungand".

  • Einig ist man sich unterdessen über die Beobachtung, dass die „wilden“
    Gargylen in unbewohnten Regionen vorkommen und eher schmucklos und
    grobschlächtig sind. Je zivilisierter und architektonisch raffinierter
    die Umgebung wird, umso detaillierter und den Bauwerken angepasster
    präsentieren sich auch die Gargylen. Unter den Zwergen des Ghalgrat
    herrscht sogar der Glaube, dass die Gargylen mit schönen Tempelanlagen
    und prachtvollen Stollen angelockt und gezähmt werden können und gerne
    Wächterdienste verrichten. Einige wenige sind wohl in der Lage zu
    sprechen, doch sind die meisten großen Gargylen stumm, auch wenn man den
    Eindruck hat, sie verstehen sehr wohl, was geredet wird.


    Neben den humanoiden Gargylen gibt es, deutlich seltener, auch Wesen,
    die auf allen Vieren gehen. Am verbreitetsten sind hundeähnliche mit
    spitzen Schwänzen und Schwingen sowie Zähnen, die mühelos Stein
    zermahlen. Es heißt, ein Rudel der wilden Steinhunde bewohnt den
    Karnfels-Bruch und ihr Heulen fängt sich des Nachts in den Kaminen des
    Bergzuges und echot bis hinab ins Tal. Angeblich begleiten sie Worgat
    den Hexer, der auf einem Pferd aus Stein in mondhellen Nächten durch die
    Schluchten zieht, immer auf der Suche nach der Seelenpfeife, die er
    samt seinem Herzen an die junge Arwa verlor.


    [IMG:https://gallery.mailchimp.com/18bee1871b11864ba642ee0b1/images/5927a5e3-b5d6-4e1f-a385-99184d0d9ca1.png]



    Brorks wundersame Gargylen (Rubin SG 6 / Saphir SG 8 / Smaragd SG 8 / Diamant SG 14)


    Rubin: TP 10, INI +1, Biss, Schaden +0 (Biss), KB 3,
    Rüstung 5 (klein), Gezielte Sprüche 6, Fliegend, MP 10, Rang 2 Formung:
    (Magischer) Feueratem Schaden 1TP / 1MP (max. 5TP) – Strahl, der bis zu 5 m

    weit schießt und eine Fläche von 2 x 2 m betrifft und alles Brennbare
    entzündet, alle Kreaturen im Strahl oder der Fläche erhalten den Schaden, Schatz E


    Saphir: TP 20, INI +1, Biss, Schaden +0 (Biss), KB 4,
    Rüstung 5 (klein), Gezielte Sprüche 8, Fliegend, MP 20, Rang 4 Formung:
    Kugelblitz Schaden 1TP / 1MP (max. 5TP) – Kugel, die beim Einschlag
    einen Radius von 3 m betrifft, in dem alle den Schaden erhalten und
    jeder, der eine Metallrüstung trägt oder eine Metallwaffe, sogar mit
    doppeltem Schadensbonus, Schatz F


    Smaragd: TP 20, INI +1, Biss, Schaden +0 (Biss), KB 4,
    Rüstung 5 (klein), Gezielte Sprüche 8, Fliegend, MP 30, Rang 4 Formung:
    Ätzender Strahl Schaden 1TP / 1MP (max. 5TP) – Strahl grün-gelber Magie,
    der bis zu fünf Ziele in einer Reihe und bis zu 20 m weit treffen kann –
    zerstört nicht-magische/Standard-Rüstungen (Rüstungswert wird pro
    Treffer um 1 reduziert), Schatz F


    Diamant: TP 55, INI +1, Biss, Schaden +2 (Biss), KB 6,
    Rüstung 7 (klein), Gezielte Sprüche 12, Fliegend, MP 60, beherrscht alle
    Formungen der Rubin-, Saphir- und Smaragd-Varianten, Schatz G



    Tempelwächter-Gargoyle (SG 12)
    TP 80, INI -2, Krallen / Biss, Schaden +3 (Biss) / +2 (Krallen), KB 8,
    Rüstung 5, Gezielte Sprüche 8, Regeneration 2, Fliegend, MP 20,
    beherrscht die Formungen: Licht und Dunkelheit, Unsichtbarkeit, Tarnung
    und Trübung, Schatz G


    Gigantischer Gargoyle (SG 16)
    TP 160, INI -2, Krallen / Biss, Schaden +4, KB 6, Rüstung 5, Gezielte
    Sprüche 8, Regeneration 2, Zauberresistenz +3, Fliegend, MP 40,
    beherrscht die Formungen: Licht und Dunkelheit, Unsichtbarkeit, Tarnung
    und Trübung,


    Kann einmal pro Runde einen unfertige Gargoyle (Werte wie reguläre
    Gargylen, siehe Spielleiterheft) erwecken, welcher nach 1W10 Runden
    erscheint.
    – er zerfällt nach dem Kampf, Schatz G



    Steinhund (SG 6 / Jagdrudel SG 10)
    TP 15, INI +1, Biss, Schaden +2, KB 4, Rüstung 5, Schatz DJagdrudel: Besteht aus vier Steinhunden – sie erhalten im Rudel +1 auf INI und +1 auf ihren Kampfbonus

    Anmerkung: Die Spielwerte der regulären Gargylen befinden sich im Spielleiterheft.





    Einst verschlang ich fünf Kontinente. Mein Durst schluckte drei Weltmeere leer. Allein der Himmel vermag sich meiner Herrschaft zu entziehen.
    Wisset, mein Leib nennt nicht Flügel, noch Arm, noch Bein sein eigen.


    Ich bin die Midgardschlange, ich trage den Namen "Jormungand".

  • Kurzgeschichte: Bruder Winterwolf


    (von Anja Eble)


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    Es heißt, es braucht einen besonders grimmigen Winter, um mit Bruder

    Winterwolf zu laufen. Die alte Jarma hatte die Geschichte erzählt, als

    Dergul ein Kind war. Und nun, in der Langeweile und Kälte dieses

    Winters, hatten sich die Reste der alten Erzählung wieder aus den tiefen

    Höhlen seiner Erinnerung hinaufgeschlichen, hin zur Wärme des

    flackernden kleinen Feuers, das er im Ofen hinter dem Altar anzustochern

    versuchte. Wölfe haben kein Feuer, hatte die Alte erzählt, aber sie

    brauchen die Wärme genauso sehr wie wir Menschen.


    Der lange Span, den er als Anzündeholz benutzte, brannte lichterloh.

    Doch so heftig der kurze Zuwachs an Wärme und Licht auch war, so schnell

    zerfiel er zu Asche und es reichte kaum, um den Holzklotz, den er

    hineingeschleppt hatte, zum Schwelen zu bringen. Das Holz war nass, seit

    das alte Schuppendach unter der Schneelast zerbrochen war. Dergul hielt

    es in den eisigen Windböen, die den Schnee über die Hochebene trieben,

    kaum lange genug aus, um einzelne Klötze aus dem Schneehaufen zu

    schaufeln und hineinzuschaffen. Dieses Heiligtum Leceias war sehr klein,

    eine Hütte nur, weit entfernt von einem Prachtbau. Seine Frau war die

    Heilerin und er ihr Hüter. Auch im Winter musste das Feuer brennen und

    die Gebete gesprochen werden. Außerdem hatte er Angst vor den Wölfen. Er

    hatte Spuren gefunden, im Schnee, als er das Dach des Schuppens

    untersuchen wollte. Dergul hatte sich beeilt, wieder zurück in die

    Sicherheit des Andachtsraumes zu kommen. Und doch waren seine Finger

    klamm und rot vor Kälte und er versuchte, das unkontrollierte Zittern

    endlich zu besiegen. In diesem Winter fror er wie nie in seinem Leben,

    und Kälte und Angst mischten sich zu einer Anspannung in seinen Muskeln,

    die ihn vibrieren ließ wie eine von Tallas Harfensaiten, wenn sie den

    Lobgesang anstimmte. Draußen erklang ein Wolfsheulen, tönte durch die

    Dämmerung, bevor der Wind es davonriss, und ließ ihm die struppig

    gewordenen Haare hoch stehen


    [IMG:https://gallery.mailchimp.com/18bee1871b11864ba642ee0b1/images/2812d6b7-c803-462d-8a16-41b0008b7300.jpg]


    Der Schnee war zu früh gekommen und er wusste, dass die Vorräte nicht reichen würden.

    Talla und die Kinder hatte er mit dem Vieh in den Wehrhof gebracht. Sie würde die Winterzeit

    nutzen, um zu lehren. Gerade noch rechtzeitig vor dem ersten Wintersturm würde seine Familie

    zwar einen Winter voller Entbehrungen und Frondienste verbringen, doch sie würde es überstehen.

    Er musste hierbleiben, denn es war seine Aufgabe und seine Ehre.


    Mit zitternden Händen griff er erneut in den Korb mit den Zündelspänen.

    Die sterbende Glut im Ofen gab nicht genug Licht und er ertastete, was er schon befürchtet hatte.

    Es war so gut wie nichts mehr da. Er hatte zu lange geschlafen. Viel zu lange. Das Feuer war gestorben

    und der Winter hatte seinen Einzug in die winzige Kapelle gehalten. Die Kälte hatte ihn träge gemacht,

    ließ seine Finger ungeschickt und seine Gedanken langsam werden. Hatte er die siebte Strophe des

    Lobgesangs heute überhaupt schon rezitiert?


    Es war gar nicht weit bis zum Wehrhof, nur wenige Stunden zu Fuß im Sonnenschein. Doch nun, in der kalten

    Dämmerung der hereinbrechenden Nacht, war es eine Ewigkeit. Die Erinnerung an die lichten Sonnentage,

    das Gefühl der Wärme auf der Haut rüttelten ihn auf. Er brauchte Wärme. Der gemauerte Ofen kauerte in

    der Ecke des Altarraumes wie ein schlafendes Tier. Schon vor einigen Nächten war er ihm dicht auf den

    Pelz gerückt und schlief auf seinem Rücken, rußig, aber warm, doch wenn er dem Tier nichts zu fressen gab,

    würde es sterben und er mit ihm. Das durfte nicht geschehen. Wer würde dann die Gebete sprechen?


    Er spürte, dass die Stunde näherrückte. Auch wenn es im Winter nur schwer zu sagen war, aber er spürte

    den Untergang der Sonne und damit die Notwendigkeit, die Kerze zu entzünden und sie in die Nische zu stellen.

    Dort stand sie, hinter dickem bunten Glas, als Wegweiser für alle, die in der Nacht wanderten und Trost und

    Obdach brauchten. Er sprach die achte Strophe und entzündete das Sichellicht. In seinem tröstlich bunten Schein

    gelang es Dergul auch endlich, den Ofen in Gang zu bekommen. Das nasse Holz zischte und fauchte, und so hörte er

    das Kratzen an der Türe zunächst nicht. Erst als sie einen Spalt breit aufgestoßen wurde, schreckte er hoch.


    [IMG:https://gallery.mailchimp.com/18bee1871b11864ba642ee0b1/images/dc45a6cd-6472-45e7-b142-4cf2826879cc.jpg]


    Eine junge Frau stolperte in den Raum, gekleidet in Wolfspelz, die Arme schützend um ein kleines Bündel geschlungen.

    Hinter ihr ein Mann, die lange spitze Nase missmutig gekräuselt, als ihm der Gestank von Derguls ungewaschenem Körper

    entgegenschlug. Er musste niesen, ein kurzes, überraschend lautes Geräusch. Der Winter war noch jung, aber Dergul

    hatte schon wieder fast vergessen, wie es war, Stimmen zu hören. „Leceias Sichel auf allen Wegen!“, grüßte Spitznase

    und schlang schützend seinen Arm um die Frau, auf deren Fellen der Schnee zu schmelzen begann.


    Dergul musterte die beiden einen Moment, dann nickte er schließlich und bedeutete ihnen, zum Ofen zu kommen.

    Er räusperte sich, aber seine Stimme knarrte und holperte trotzdem, als er den Segensgruß erwiderte. Die Mondsichel

    der Göttin prangte gut sichtbar über der Eingangstüre. Spitznase hatte die Worte gesprochen, aber trotzdem störte Dergul

    irgendetwas an dem hageren Mann. Vielleicht war es die Art, wie er sich bewegte. Ein wenig zu schnell und dabei auf eine

    seltsame Weise angespannt. Er war in Sorge um die Frau und das Kind, das konnte Dergul ihm deutlich ansehen. Das Gespräch

    plätscherte dahin wie ein Bächlein im Sommer, Belanglosigkeiten, die erst verstummten, als die beiden Männer zusahen, wie

    die Frau den letzten Rest Hirsebrei aß, das Kind auf den Knien, mit dem Rücken an den Ofen geschmiegt. Nun waren Derguls

    Vorräte leer.


    Sie schlief den Schlaf der völlig Erschöpften, kurz nachdem das Baby getrunken hatte. Dergul half ohne ein Wort,

    sie auf den Ofen hinaufzuheben und in warme Decken zu hüllen, das Baby sicher in ihrem Arm. Auch er war Vater und Spitznase

    dankte ihm mit einem kurzen Nicken.


    [IMG:https://gallery.mailchimp.com/18bee1871b11864ba642ee0b1/images/77e452fc-ccd5-422d-aac0-93f4d44d8810.jpg]


    Der tiefe, gleichmäßige Atem der schlafenden Frau schien beide zu
    bannen. Es war Spitznase, der schließlich knurrte. „Es tut mir leid, sie
    muss essen!“ In einem Wirbel aus Kleidung und Fell verschwamm seine
    Gestalt und Dergul stand einem hageren Wolf gegenüber. Das bunte
    Kerzenlicht spielte über spitze Fänge und er sah die Verzweiflung und
    Entschlossenheit in den Augen des Tieres, das Spitznase gewesen war. Er
    nickte langsam, konnte den Schnee draußen riechen und seinen eigenen
    Gestank. Spitznase hatte Recht. Er hatte lange genug gewartet, es gab
    ein Baby zu versorgen.


    Der frisch gefallene Schnee knisterte leise, als sie unter der
    Mondsichel dahinjagten. Der Sturm hatte sich gelegt und sie witterten
    die Beute ein Stück voraus. Im Sommer sprang ein munterer Bach über die
    kantigen Findlinge der Lichtung, im Winter wurde das Flussbett zur
    eisigen Falle. Sie trieben das Reh zwischen die Steine und fielen
    ausgehungert über es her.


    Später schleppten sie den Rest der Beute im Silberlicht zum Tempel. Sie
    wuschen sich das Blut mit Schnee ab, standen beide nackt und zitternd
    unter Leceias Sichel, Hüter, die sie waren. Dergul leckte sich über die
    Lippen, genoss den Geruch des Rehs, das dampfend vor ihm und Spitznase
    im Schnee lag. „Morgen bringe ich euch zum Wehrhof, meine Frau und die
    Kinder sind dort. Deine Gefährtin und das Kind können sicher für den
    Winter bleiben. Du kannst mir hier helfen. Die Gebete müssen gesprochen
    werden.“ Spitznase nickte und sie schlüpften zurück in die Wärme der
    Kapelle, um sich anzuziehen und das Reh zu verarbeiten. Im Wehrhof wurde
    frisches Fleisch gebraucht. Gemeinsam rezitierten sie die neunte
    Strophe.


    Bruder Winterwolf würde in diesem Winter nicht alleine jagen.

    Veranstaltungen

    Unser Vorsatz für das neue Jahr: Wir möchten 2017 so viele wie möglich
    von Euch persönlich treffen. Das heißt für uns, wir werden auf vielen
    größeren und kleineren Conventions und Messen sein und ABOREA-Runden
    anbieten.


    Zu diesem Zweck haben wir Euch einige der nächsten Conventions zusammengesucht.

    Vorrangig die Cons, bei denen ABOREA-Runden angeboten werden, aber auch
    andere. Vielleicht bekommt ja der eine oder andere von Euch Lust, dort
    eine eigene Runde anzubieten und ABOREA weiter zu empfehlen.


    Die nächsten Termine sind:


    24.02. - 26.02.2017 CatCon, Ulm
    10.03. - 12.03.2017 HeinzCon, Norddeich
    17.03. - 19.03.2017 CaveCon, Aschaffenburg


    Einst verschlang ich fünf Kontinente. Mein Durst schluckte drei Weltmeere leer. Allein der Himmel vermag sich meiner Herrschaft zu entziehen.
    Wisset, mein Leib nennt nicht Flügel, noch Arm, noch Bein sein eigen.


    Ich bin die Midgardschlange, ich trage den Namen "Jormungand".

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