Die Reiter der schwarzen Rose

  • Er hastete durch das Unterholz, stolperte und landete bäuchlings auf dem Boden. Für einen Moment regte er sich nicht. Blieb liegen wie als wäre er tot. Doch dann hörte er das schnauben eines Pferdes immer näherkommen. Der Söldner begann zu zittern und ihm war klar: Wenn er hier liegen blieb konnte er sich gleich beerdigen lassen, wie der Rest seiner Kumpane. Also sprang er auf und rannte weiter. Weiter, immer weiter. Wie ein gehetztes Tier rannte der Söldner durch den dunklen Wald. Obwohl der Herbst schon fast in den Winter übergegangen und fast alle Blätter von den Bäumen gefallen waren, war es stockfinster. Und tatsächlich sah der Mann nicht, wo er hinrannte. Er hörte hinter sich nur die Hufe eines galoppierenden Pferdes. Was für eine üble Magie war hier im Spiel?!


    Gerade als er kurz über die Schulter nach seinen Verfolgern sah, stürzte er und rollte einen Hang hinter. Er wusste nicht wie lange. Als er am Fuß des Hangs liegen blieb, richtete er sich zitternd auf und sah dem Himmel über sich. Tatsächlich! Er sah den Mond, die Sterne und er hatte es lebend aus dem Wald hinausgeschafft. Er wollte den Göttern danken, doch als er den Hang hochsah, erstarrte ihm das Blut in den Andern. Denn dort am Hang stand ein Pferd und auf diesem ein Reiter mit einer Armbrust im Anschlag. Doch der Reiter schoss nicht. Einen Moment lang zielte der Reiter auf den Söldner, dann hob er die Armbrust, wendete sein Pferd und ritt in den Wald zurück. Der Söldner war nach wie vor starr vor Angst. Erst nach und nach begriff er, dass ihm das Leben aufs Neue geschenkt war. Als der Morgen anbrach fand er dann auch die Kraft, sich zum nächsten Dorf auf zu machen. Ihn hatten die Reiter der schwarzen Rose nicht gekriegt.


    Die Reiter der schwarzen Rosen, das klingt wie ein Ritterorden. Tatsächlich könnte man sie auch fast für Ritter halten, zumindest ihrer äußeren Erscheinung nach. Sie sind gut gepanzerte Reiter mit hohem Helm der jeweils mit einem schwarzen Pferdeschweif geschmückt ist. Kunstvoll verzierte Plattenrüstung dazu ausgestattet mit Schwerter, Lanze und Armbrust. Schild eher seltener, wenn dann jedoch Rundschilde.

    Die Rüstung (Vorlage):

    [Blocked Image: https://i.pinimg.com/736x/b1/d5/7b/b1d57b1859bdfaf7bb68e233adbcda6e--character-ideas-larp-costumes.jpg]

    Diese gute und teure Ausrüstung sorgt dafür, dass sie von uneingeweihten tatsächlich mit Rittern verwechselt werden. Doch wie falsch dieser Eindruck ist, zeigt sich spätestens, wenn die ersten durch die zumeist vergifteten Armbrustbolzen zu Tode kommen. In ihrer Kampfweise gibt es keine Spur von Ritterlichkeit. Sie metzeln ihre Gegner und Opfer mit einer Kaltblütigkeit nieder, die selbst hartgesottenen Veteranen das Blut gefrieren lässt. Dabei spielt es keine Rolle, gegen was oder wen sie kämpfen. Ob nun Mensch, Zwerg, Ork, Halbling, Gnom, Troll... oder was für Kreaturen es sonst noch auf der Welt gibt.


    Selbst Elfen sind vor ihrem Zorn nicht sicher, obwohl die Reiter der schwarzen Rose selbst Elfen sind. Eine Eigenart, welche dazu führt, dass es Orte in Palea gibt wo sich kein Elf zeigen sollte. Woher das bekannt ist? Nun das weiß so genau niemand. Tatsache ist, es sind Elfen. Die Geschicklichkeit, die sie im Kampf zeigen, die Art wie ihre Waffen und Rüstungen verziert sind und die Treffsicherheit, mit der sie selbst aus vollem Galopp ihre Armbrüste abschießen, können diese sehr alte Behauptung nur untermauern. Und selbst wenn nicht, es ist im Laufe der Jahrhunderte so tief in die Geschichten eingeflossen und festgefügt, dass es nicht mehr wegzudenken ist.


    Dabei muss man sagen, dass bei besagten Geschichten es lokal teilweise massive Unterschiede gibt. Es kann gut sein, dass sie an einem Ort das Böse und die Vernichtung selbst personifizieren, gegen das nur die größten Streiter des Guten standhalten und in die Flucht schlagen. Oft jedoch müssen diese Helden nicht selten ihr Leben lassen um diese unheimlichen Streiter und ihre dunkle Magie zu bannen. Wieder woanders eben jene dunklen Helden sind, vor denen Heerscharen von Orks und Dämonen das Weite suchen. Jene, die man fürchtet und zugleich ehrt, weil sie es sind welche dem wahren Bösen die Stirn bieten. Was zur Tragik dieser Geschichten beiträgt, ist der Umstand, dass sie die schwarze Magie nutzen müssen, um zu tun was sie tun.


    So unklar wie die Frage ob sie Helden oder Schurken sind, ist auch die Frage woher sie kommen und wer sie anführt. Und mindestens genauso zahlreich sind die Legenden und Märchen. Eine Beliebte Geschichte wurde von einem Schriftgelehrten in Trion verbreitet, nämlich die:


    Einst lebte in einem prächtigen Königreich der Elfen im Norden ein mächtiger König. Ein jeder seiner Untertanen liebte ihn und jeder seiner Mannen hätte sich ohne zu zögern für ihn geopfert. Obgleich er der gewaltigste Kämpfer seines Reiches war. Klug und gerecht bescherte seinem Volk Wohlstand und Frieden. Zahllos war die Zahl der Frauen welche ihn umwarben. Doch alle wies er mit der ihm eigenen Freundlichkeit zurück. So vergingen die Jahre und allen schien es zufrieden. Bis der König schließlich eines Tages, in einem Garten wilder Rosen, jene Frau fand die er nie gesucht und doch vermisst hatte. Sie zögerte zunächst, konnte sie nicht glauben das der von allen geliebte sie erwählt hatte.


    So vergingen erneut die Jahre und wann immer es ging, besuchten sie den Garten der wilden Rosen. Lange verbrachten sie dort und wanderten gemeinsam zwischen den Rosen umher. Doch von allen Rosen die dort wuchsen liebte die Elfe eine besonders. Es war die Rose mit den schwarzen Blättern. Von allen wildwachsenden Rosen dort hatte sie die gefährlichsten Dornen Doch liebte die Maid diese Rose besonders, welche selbst den Elfen größtes Geschick abverlangte, wenn man sie pflückte. Zur Zeit der Sommersonnenwende schließlich gab es ein großes Fest und allen kamen und feierten. Auch die Elfe aus dem Garten der wilden Rosen. Und bei diesem Fest schenkte sie dem König eine schwarze Rose, als Zeichen das es nun neben diesen Rosen nun noch jemanden in ihrem Herzen gab. Der König verstand die Geste und er tanzte auf jenem fest mit niemand anderem.


    Nach diesem Fest, wuchs in seinem Herz der Wunsch diese Frau die er liebte zu ehelichen. Sie zierte sich, doch er blieb hartnäckig. Jedoch ließ er sich nicht von Ungeduld leiten und ließ die Dinge sich entwickeln. Schließlich erhörte sie ihn und willigte ein, seine Gemahlin zu werden. So begannen die Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten und es sollte das größte und schönste Fest werden welches je unter den Elfen ausgetragen wurde. Doch am Tag der Trauung, fehlte die Braut. Sie war noch einmal in den Garten gegangen, um sich Rosen für ihren Brautstrauß zu holen, etwas was sie niemand anderem überlassen wollte.


    Als der Tag voranschritt, wurde der Elfenkönig unruhig. Schließlich begab er sich selbst zum Garten. Doch was er dort fand entsetzte ihn. Der wunderschöne Garten, der Ort wo er seine große Liebe gefunden hatte, war von Dämonen verwüstet worden. Von allen Rosen, war nichts weiter übriggeblieben als Asche. Nur den schwarzen Rosen, hatte das Feuer der Kreaturen nichts ausgemacht. Doch nicht nur ihnen. Als der König den verwüsteten Garten durchsuchte, entdeckte er abgerissenen Schmuck und Stofffetzen, welche seiner liebsten gehörten. Er nahm es als Zeichen das sie noch lebte und er würde nicht ruhen, bis er seine geliebte zurückhatte.


    Von diesem Ereignis an, zieht der Elfenkönig aus in die Welt um seine große Liebe wieder zu finden und jene zur Strecke zu bringen, welche sie ihm genommen haben oder es wagen sich ihm in den Weg zu stellen.  



    Wie viel von dieser Geschichte dem Geist des Schöpfers entsprang und wie viel Wahrheit darin steckt, ist unklar. Fest steht, dass sich diese Geschichte gehalten und verbreitet hat. Freilich wird sie in der Regel viel ausführlicher erzählt als hier und auch manchen Barden hat sie zu einer Ballade inspiriert. Sollte der Gelehrte sein Wissen aus alten Texten haben, so muss hier bei angemerkt werden, dass es zu jener viele Übersetzungsfehler aus dem Elfischen in die Sprache der Menschen gab. So ist es oft vorgekommen, dass in übersetzten Texten ein Elf König genannt wurde, obwohl es sich eigentlich besser Adeliger oder Fürst hätte heißen müssen. Jedoch wurde auch, das Geschlecht oft falsch übersetzt. So konnte man sich nie sicher sein, ob nun von einem Fürsten oder einer Fürstin die Rede war.


    Ungeachtet dessen, gehen die ersten Berichte über diese Reiter auf die Zeit des Dämonenkrieges zurück. Zu jener Zeit wurden immer wieder Berittene Elfen gesehen, welche Dämonen in großer Zahl massakrierten. Was besonders beim Studium dieser Texte auffällt: immer wieder wird berichtet, dass diese Krieger, deren Truppenstärke in der Regel nach hunderten statt nach tausenden gezählt wird, immer wieder Gegner vernichten, die ihnen mitunter zehnfach überlegen waren. Eine Tatsache die auch jenen schnell klar wurde, welche gehofft hatten, diese Reiter als Verbündete zu gewinnen. Als in einer Schlacht gegen die Dämonen eine Abteilung der Menschen zwischen die Reiter der schwarzen Rose und den Dämonen geriet, Schlachteten die Elfen beide Gruppen erbarmungslos ab.


    Es war das erste Mal, dass diese Reiter ein solches Blutbad unter Menschen anrichteten. Allerdings war es nicht das letzte Mal. Während des Dämonenkrieges kam es immer wieder zu Zusammenstößen und als der Krieg endete, zogen sie durch die Welt. Ganz so als wenn sie etwas oder jemanden suchten. Doch was oder wer es ist, weiß niemand. Und wer versuchte es herauszufinden wurde nie wieder gesehen.