Posts by Curtis Newton

    Navigator meint seinen Einwand vermutlich schon etwas grundsätzlicher.
    Jedes System kann sich in der Frage, welcher Grad an Realismus oder 'Cineasmus' der Simulation einer Aufgabe zugrunde gelegt wird unterschiedlich positionieren; daher ist es tatsächlich umso schwieriger, eine erfolgreiche Taktik zu entwickeln, je weniger man die Regeln kennt.
    Plakatives Beispiel: in einem aktuellen Kung Fu-Film aus Hongkong ist es selbstverständlich, daß die Kämpfer 20 Meter hoch oder weit hüpfen, in einem amerikanischen Ritterfilm der 50er ist das nicht mal mit großer Anstrengung möglich. Woher soll nun ein Spieler wissen, wie weit sein Charakter springen kann, also wie schwierig die Würfelprobe sein wird, wenn er die Regeln nicht kennt?
    Von einem strengen gamistischen Standpunkt aus (der übrigens nicht der meine ist) ;) hat Navigator schon Recht.

    Wenn etwas fertig ist kann man es auch raus rücken. :)
    Natürlich sollte die faktische Publikationsreihenfolge keinen Einfluß auf Bandzählungen etc. haben und in einem später publizierten Band sollte auch nichts definiert werden, das von dem früher publizierten Band abweicht und einen höheren Geltungsrang hat; aber wenn die Abstimmung gewährleistet ist gilt m.E.: je früher desto besser.


    (...und das sage ich nicht, weil "Händler und Kanonenboote" für mich der interessantere Band ist...) ;)

    Prometheus : da hast Du völlig Recht, die Spinwärts-Marken reichen für den Anfang aus und zumindest ich bin weit davon entfernt, 13Mann irgend etwas vorzuwerfen; ich habe nur versucht darzustellen, warum jemand, der an die Präsentationsformen modernerer Rollenspiele gewöhnt ist, mit einem retro-Produkt wie dem aktuellen Traveller an bestimmten Punkten möglicherweise Schwierigkeiten hat. Meiner persönlichen Einschätzung nach ist die 'offenere' Konzeption weit eher positiv als negativ zu betrachten. :)


    @all: ob die eher philosophische Diskussion von Generizität von Rollenspielen im Allgemeinen und Traveller im Besonderen an dieser Stelle weiter geführt werden sollte, weiß ich noch nicht... :|

    Das ist zwar das erklärte Ziel dieser 'generischen' Systeme, aber realisieren können auch sie das bestenfalls näherungsweise. Der Unterschied zwischen ihnen und anderen Systemen ist kein prinzipieller, sondern nur ein gradueller, auch wenn ihre Autoren uns das gern weismachen möchten. ;)


    Wir haben verlernt zu sehen, daß wesentlich mehr Dinge den Hintergrund eines Spiels definieren, als die Frage, wer gerade Kaiser von Phantasien ist - eine Regel für Schwertkampf oder Autofahren tut das auch bereits.


    Ein schönes Traveller-Beispiel für Nodrics Probleme ist die Regel der Hintergrund-Fertigkeiten. Das ist freilich keine 'reine' Spielregel (sofern es so etwas überhaupt gibt...), sondern impliziert Hintergrund und erfordert eigentlich ein Hintergrundwissen, das ein Spieler dem Grundregelwerk gar nicht entnehmen kann. ?(

    Die neue Ausgabe von Traveller ist eine Art überarbeiteter Neuauflage der Erstausgabe, also des klassischen Systems. Man muß daher das gewollte retro-feeling mitkaufen wollen und ein System gut finden können, das so tut, als wolle es in die Anfangszeit des Rollenspiels zurück kehren und den seither angesammelten Ballast über Bord ;) wirft.


    Man wollte es damals (und will es nun wieder) als generisches SF-System anbieten, mit dem gerade verschiedene Hintergründe bespielt werden können sollen - das OTU/Spinwärts-Marken etc. ist hier weit mehr nur ein Vorschlag, als es z.B. Aventurien für DSA ist und selbst dieser Vorschlag kann/darf/soll sehr stark an die indiviuellen Bedürfnisse der Spielrunden angepaßt werden können.


    Das bringt einerseits gewaltige Vorteile in Sachen Gestaltungsmöglichkeiten mit sich, andererseits auch die von Nodric angesprochenen Probleme, die jedes sog. generische System hat: Regeln implizieren i-m-m-e-r einen Hintergrund - das geht gar nicht anders; genauso wenig wie man die Kommunikationsform Sprache von ihrem semantischen Gehalt abgelöst betrachten kann, ebenso wenig kann ein Rollenspiel Elemente seiner Spielregeln präsentieren, ohne daß diese sofort auf seinen Hintergrund verweisen.


    1. Es gibt Regeln fürs Schießen, also gibt es Schußwaffen.


    2. Es gibt Aslan, soso... und wie sieht ihre Kultur aus?


    3. Es gibt Adelstitel... innerhalb welchen politischen Systems?


    Heutzutage ist man an detailliert ausgearbeitete Hintergründe in Rollenspielen gewöhnt, will solche Dinge dann schnell genauer wissen und findet (im Fall des Traveller-GRW) dann eben nicht alles, was man gerne hätte.


    Es gibt nur zwei Lösungen: selber machen oder abwarten. :)

    Gerade das stimmt aber so nicht; was weiter oben tatsächlich erläutert wurde ist, daß "High Guard" zwar ein eher unbedeutendes technisches Detail aus dem Alltag der Raumflotte ist, aber nicht ohne jeden Zusammenhang wie "Ehrengarde".
    Übrigens drückt "High Guard" auf der metaphorischen Ebene auch sehr schön aus, was die Aufgabe der Raumflotte in Bezug auf das Imperium ist: es 'von oben her' zu beschützen. Der Originaltitel ist also eigentlich sehr gut erdacht, nur leider schwer zu übersetzen.


    Und mit dem (ohnehin falschen) Argument "High Guard" habe schließlich genauso wenig mit dem Buch zu tun wie "Ehrengarde" könnte man auch gleich für den Titel "Kaugummifabrik" plädieren. ;)

    Netter Joke, Drantos. :) Aber es stimmt wohl so nicht ganz, daß "High Guard" nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun hat; wenn Antons Referat stimmt, dann ist es immerhin ein - wenn auch relativ unbedeutendes - Detail aus dem Alltag der Raumflotte, "Ehrengarde" wäre dagegen etwas ganz anderes - meinetwegen kann man die Leibwache des Imperators so nennen, mit dem Inhalt des Buches hätte es aber nichts erkennbar zu tun.

    Inhaltlich gesehen ist "Raumflotte" natürlich am Treffendsten, allerdings hätte das als Titel keinerlei Flair. ;)


    Nur nach dem Inhalt geht es bei den Titelgebungen aber vermutlich auch nicht, zumindest scheint "Söldner" sich doch auch mit Karrieren der Planetaren Streitkräfte und der Marineinfanterie zu befassen, oder stimmt das nicht?